Themen-Special: Standort Bayern

Interview: Verfall der Sitten im Welthandel

Wird der Welthandel zunehmend gestört? Ein klares „Ja“ kommt dazu von Professor Gabriel Felbermayr. Der Leiter des Zentrums für Außenwirtschaft am Münchner Ifo-Institut im AKTIV-Interview.

Professor Gabriel Felbermayr, Leiter des Zentrums für Außenwirtschaft am Münchner Ifo-Institut. Foto: Vinogradova

Professor Gabriel Felbermayr, Leiter des Zentrums für Außenwirtschaft am Münchner Ifo-Institut. Foto: Vinogradova

München. Freihandel und Weltwirtschaft – da kennt er sich besonders gut aus: Professor Gabriel Felbermayr, Leiter des Zentrums für Außenwirtschaft am Münchner Ifo-Institut. AKTIV sprach mit ihm über grundlegende Fragen und aktuelle Entwicklungen.

Wenn der Welthandel nicht rundläuft – wie dramatisch ist das für Bayern?

Die globale Perspektive ist lebenswichtig! Hiesige Unternehmen produzieren in aller Welt und für den Weltmarkt. Die Netzwerke sind sehr dicht, es geht teils mehrfach über Grenzen. Wenn da Sand ins Getriebe kommt, tut das weh.

Oft hat es ja schon Folgen, wenn Störungen sich nur abzeichnen …

In der Tat. Politische Unsicherheiten wirken besonders stark auf den Handel mit Investitionsgütern, Bayern ist da ganz besonders potenziell negativ betroffen.

Sind die Unsicherheiten denn wirklich größer als früher?

Ja. Das wird unter anderem mit einem speziellen Index gemessen. Diese Fieberkurve lag in den letzten Monaten deutlich über dem langjährigen Durchschnitt.

Und wie sieht es bei den tatsächlichen Störungen des Außenhandels aus?

Da erleben wir seit der Finanz- und Wirtschaftskrise, also seit zehn Jahren, einen schleichenden Verfall der guten Sitten! Weltweit hat es Tausende protektionistische Einzelmaßnahmen gegeben, entsprechend abgebremst ist das Wachstum des globalen Handels. Dabei sind sich eigentlich alle Ökonomen einig, dass Protektionismus keine gute Idee ist.

Wie können die einzelnen Unternehmen reagieren?

Um sich gegen neue Grenzbarrieren abzusichern? Auf der anderen Seite produzieren! Das ist eine rationale Antwort auf irrationale politische Tendenzen – um auf diesen Märkten im Geschäft zu bleiben. Und das lässt sich beobachten: In einer Ifo-Umfrage haben schon Anfang des Jahres 28 Prozent der in den USA tätigen deutschen Unternehmen angegeben, dass sie ihre Wertschöpfung dort erhöhen wollen.


Die weiteren Artikel des Themen-Specials:

Arbeit in Bayern ist im internationalen Vergleich sehr teuer. Hiesige Unternehmen bauen daher in den kommenden drei Jahren die Beschäftigung an Standorten in aller Welt um 6 Prozent aus, in China sogar um 11 Prozent.

Donald Trump wettert gegen die deutsche Auto-Industrie: „Schauen Sie sich die Millionen von Autos an, die sie in den USA verkaufen. Fürchterlich. Wir werden das stoppen.“ Und der US-Präsident ist nicht das einzige Problem.

Immer an dem Standort produzieren, wo es gerade am besten passt: Das ist die Strategie von MAN Truck & Bus in München. Mit ihrem internationalen Engagement sichern Bayerns Unternehmen auch die heimischen Arbeitsplätze.

Auf jeden 100-Euro-Schein für die geleistete Arbeit muss ein Unternehmen im Schnitt knapp 70 Euro Personalzusatzkosten drauflegen. Was zum Lohn noch alles dazukommt, lesen Sie hier.

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Schlagwörter: Globalisierung

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