RSS Feed abonnieren
Feedback senden

„Sorgen sind groß“

Interview: Türkei droht nach der Wahl die Wirtschaftskrise

Der Währungsexperte der Commerzbank, Ulrich Leuchtmann, erklärt im Gespräch mit AKTIV, warum die türkische Zentralbank derzeit nicht souverän agiert – und weshalb Präsident Erdogan gefährlich für die türkische Wirtschaft ist.

Ulrich Leuchtmann, Währungsexperte und Analyst der Commerzbank. Foto: Commerzbank

Ulrich Leuchtmann, Währungsexperte und Analyst der Commerzbank. Foto: Commerzbank

Wille zur Macht: Erdogan will mehr Einfluss auf die Geldpolitik. Foto: Bloomberg

Wille zur Macht: Erdogan will mehr Einfluss auf die Geldpolitik. Foto: Bloomberg

Frankfurt. Die Wahlen in der Türkei sind vorbei, Erdogan bleibt Präsident. Über die heikle wirtschaftliche Lage am Bosporus sprach AKTIV mit Ulrich Leuchtmann, Analyst und Währungsexperte der Commerzbank.

Die türkische Lira hat gegenüber Euro und US-Dollar zuletzt ein Fünftel an Wert verloren, die Inflation stieg auf rund 12 Prozent. Ist die Türkei in einer Wirtschaftskrise?

Noch nicht. Geht es mit der Lira aber so weiter, sprechen wir von einer Währungskrise. Dann ist die Wirtschaftskrise nicht mehr weit.

Wo liegt die größte Gefahr?

Die Türkei importiert mehr, als sie exportiert und ist so massiv im Ausland verschuldet – meist in US-Dollar oder Euro. Verliert die Lira an Wert, wird es schwieriger, diese Schulden zu begleichen.

Wie kann die Türkei die eigene Währung stützen?

Indem sie die Leitzinsen erhöht. Das passierte zuletzt aber immer zu spät. Die Zentralbank agiert nicht mehr souverän und steht unter großem Druck von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan, der mit niedrigen Zinsen das Wirtschaftswachstum sichern will. Er hat zudem angekündigt, nach der Wiederwahl noch stärker Einfluss auf die Geldpolitik zu nehmen.

Wie kommt diese Ankündigung bei Investoren an?

Die Sorgen sind groß. Sollte Auslandskapital verstärkt abfließen, würde das die Lira weiter schwächen – und könnte schnell einen Teufelskreis in Gang setzen.

Türken sollen gesparte Euro und Dollar nun in Lira tauschen, um deren Kurs zu stabilisieren, fordert Erdogan.

Sobald die ökonomischen Argumente ausgehen, wird an den Nationalstolz appelliert – das ist immer ein schlechtes Zeichen.


Mehr zum Thema:

Traditionell sind die deutsch-türkischen Wirtschaftsbeziehungen gut. Was aber bringt das kommende Präsidialsystem für den Handel? Zunächst einmal kein Risiko, erklärt der Türkei-Experte der Privatbank Berenberg im Interview.

Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:

Zum Anfang