Alarmierende Studie

Interview: „Schüler oft nicht fit im Netz“

Dortmund. Beim Umgang mit Computern und Internet sind deutsche Schüler schwächer als der EU-Durchschnitt. Über den Vergleich von Achtklässlern in 21 Ländern sprach AKTIV mit Julia Gerick, nationale Projektleiterin der Studie „Icils 2013“ an der Technischen Universität Dortmund.

Die meisten Jugendlichen leben doch förmlich im Netz und sind mit ihrem Smartphone verwachsen. Wo liegt also das Problem?
Es liegt an einer fehlenden systematischen Förderung von Kompetenzen. Ein freizeitbezogener Gebrauch ist nicht ausreichend, um eine kompetenzorientierte Nutzung neuer Technologien zu erlernen.

Und das wäre?
Icils 2013 hat gezeigt, dass ein beachtlicher Teil der Jugendlichen nicht gezielt nach digitalen Informationen sucht, sie kritisch bewerten kann oder einschätzen kann, welche privaten Informationen man besser nicht online zur Verfügung stellt. Es fehlt auch an technischer Kompetenz, etwa beim Abspeichern unter bestimmten Dateiformaten. Da sind viele nicht fit.

Jugendliche in anderen Ländern können das besser. Warum?
In der Tschechischen Republik zum Beispiel ist der Umgang mit digitalen Medien Bestandteil aller Unterrichtsfächer. Er unterstützt das fachliche Lernen und das Erlernen überfachlicher Kompetenzen.

Dafür müssen die Schulen entsprechend ausgestattet sein.
Klar. In Deutschland gibt es an vielen Schulen zwar einen Computerraum. Aber der nutzt nichts, wenn der Lehrer zum Beispiel spontan eine Internetrecherche einsetzen möchte. Hilfreich wären unterrichtsnah einsetzbare Technologien wie interaktive Whiteboards im Klassenraum.

Was bedeutet Ihr Befund für die betriebliche Arbeitswelt von morgen?
Wenn die heutigen Achtklässler in zwei Jahren in die Ausbildung gehen, werden viele Nachholbedarf im kompetenten Umgang mit neuen Technologien haben.


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