Versuchsanlage in Greifswald eingeweiht

Interview: „Kernfusion ist eine Alternative für die Stromversorgung“

Greifswald. Der „Wendelstein 7-X“, eine 370 Millionen Euro teure Versuchsanlage für die Kernfusion, wurde jetzt am Max-Planck-Institut für Plasmaphysik in Greifswald eingeweiht. AKTIV sprach mit Projektleiter Professor Thomas Klinger über den Stand der Forschung

Wann gibt es den ersten Fusionsstrom im Netz?
Frühestens in 35 Jahren. Bis dahin ist noch viel Forschung nötig. Aber sie lohnt sich – denn Kernfusion ist eine echte Alternative. Die Fusion von einem Gramm der Wasserstoffarten Deuterium und Tritium zu Helium liefert so viel Energie wie das Verbrennen von elf Tonnen Steinkohle. Dabei wird kein klimaschädliches Kohlendioxid freigesetzt.

Wie geht denn das?
Für die Fusion muss man ein 100 Millionen Grad heißes Gas erzeugen, ein Plasma. Wir machen das mit zehn Mikrowellensendern, jeder so stark wie 1.000 Herdplatten. Das Problem dabei: Man muss verhindern, dass das ultradünne Plasma die Gefäßwand berührt und sich abkühlt. Mit einem starken Magnetfeld hält man es deshalb in der Schwebe. In Greifswald geht es nur darum, das hinzukriegen – und noch nicht darum, wirklich Energie zu erzeugen.

Ist das Plasma gefährlich?
Außer Kontrolle geraten kann es nicht. Dafür ist das Plasma viel zu empfindlich. Bei kleinen Abweichungen von den optimalen Bedingungen verlischt es wie eine Kerzenflamme. Und anders als Atomkraftwerke produziert die Fusion keine radioaktiven Spaltprodukte.

Deutschland ist ja auch an dem 10 Milliarden Euro teuren Testreaktor Iter in Südfrankreich beteiligt. Wie hängt das zusammen?
Da soll ab 2022 schon tatsächlich Energie erzeugt werden, wenn auch noch im Versuchsmaßstab. Man nutzt dort für das Magnetfeld, welches das Plasma einschließt, eine andere Technik. Wenn unsere Experimente Erfolg haben, werden die Kraftwerke der Zukunft entsprechend anders aussehen als in Südfrankreich.


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