„Unsinnig, unpraktisch und ungerecht“

Interview: Expertin kritisiert EU-Pläne, „Made in Germany“ -Kennzeichnung einzuschränken


Brüssel. „Made in Germany“ – das Siegel steht für Qualität und Verlässlichkeit. Geht es nach der EU-Kommission, könnte es bald an Bedeutung verlieren. Worum geht es genau? Wir sprachen mit Yvonne Hendrych aus dem Brüsseler Büro des Gesamtverbands Textil + Mode.

Was will die EU ändern?

Die von der Kommission vorgeschlagene Regelung verschiebt den Ursprungsort eines Produkts, der für die „Made in“-Kennzeichnung ausschlaggebend ist. Bis jetzt ist dafür der Ort relevant, an dem das Produkt seine wesentlichen Eigenschaften erhält. In Zukunft könnte der letzte Verarbeitungsschritt entscheidend sein.

Was heißt das in der betrieblichen Praxis?

Nehmen Sie eine Firma, die Berufskleidung herstellt. Angenommen, der Hauptteil der Wertschöpfung, also Design und Herstellung der hochwertigen Stoffe sowie die komplizierte Ausrüstung des Materials, laufen in Deutschland – und zusammengenäht wird aus Kostengründen in Serbien. Dann steht bisher in der Kleidung „made in Germany“ – und künftig „made in Serbia“.

Gibt es Ausnahmen?

Ja. Wenn der letzte Verarbeitungsschritt in einem EU-Mitgliedsland erfolgt, dann darf der Hersteller alternativ auch „made in Europe“ draufdrucken. Aber das löst das Problem nicht.

Warum nicht?

Weil auch dann nicht deutlich wird, in welchem Land die eigentliche Leistung am Produkt erbracht wird. Deshalb benachteiligt die Regelung besonders deutsche Betriebe. Sie eignet sich auch nicht zum Verbraucherschutz oder für die Produzentenhaftung. Denn wo der Hersteller tatsächlich sitzt, darauf gibt die Kennzeichnung keine richtige Antwort. Der Vorschlag ist unsinnig, unpraktisch und auch noch ungerecht.

Warum gibt es ihn dann überhaupt?

Weil besonders die südlichen EU-Länder wie Italien ihre Textilbranchen schützen wollen. Bei den dortigen Anbietern werden die letzten Verarbeitungsschritte oft noch vor Ort vorgenommen. Die neue Regelung würde ihnen gegenüber deutschen Unternehmen einen willkürlichen, ungerechtfertigten Wettbewerbsvorteil bringen. Die Regierungen haben da erfolgreich Lobbyarbeit betrieben.

Und wie halten Sie jetzt dagegen?

Wir versuchen, die „Made in“-Regelung aus dem aktuellen Gesetzespaket herauszulösen. Eine Herkunftsbezeichnung ist in Ordnung, aber dann auf freiwilliger Basis und mit Kriterien, die nachvollziehbar und einheitlich sind.

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