„75 Dollar sind das Maximum“

Interview: Experte sieht Anstieg beim Ölpreis entspannt

Hamburg. Wir merken es beim Tanken: Der Ölpreis geht wieder hoch. Doch Leon Leschus, Rohstoffexperte am Wirtschaftsforschungsinstitut HWWI in Hamburg, erwartet keine dramatische Gegenbewegung. Ein Grund: der Fracking-Boom in Amerika.

Vor gut drei Jahren kostete ein 159-Liter-Fass Rohöl der Nordsee-Sorte Brent noch 125 Dollar. Geht es jetzt dahin zurück?
Nein. Nachdem der Preis steil abstürzte und dann zwischen Januar und Mitte Mai 2015 wieder von knapp 50 auf 67 Dollar stieg, kann er zwar auch noch weiter steigen. Vielleicht auf 75 Dollar. Das ist aber aus heutiger Sicht das Maximum. Auch beim Spritpreis sind folglich keine bösen Überraschungen zu erwarten.

Wieso ist die Zeit billigen Öls denn eigentlich schon wieder vorbei?
Zum einen wegen steigender Nachfrage – infolge der zuletzt niedrigen Preise und der stabileren Weltkonjunktur. Zum anderen wegen des knapperen Angebots. So liefert Libyen weniger Öl, weil ein wichtiger Hafen für die Exporte geschlossen werden musste – im Ölmarkt sind also Risiken vorhanden, die preissteigernd wirken.

Wollten die Saudis nicht mit Niedrigpreisen US-Firmen aus dem Markt drängen, die mit der Fracking-Technik Öl aus Schiefergestein holen?
Es machten zwar zuletzt viele US-Förderfirmen dicht: Im April gab es noch 679 aktive Bohrlöcher, nach 1.600 im Oktober 2014. Aber sie werden stärker genutzt, die Förderung sank nur leicht, wenn überhaupt. Die Branche hat sich angepasst und die Kosten überraschend fix gesenkt.

Die USA bleiben also ein wichtiger Faktor?
Sie tragen dazu bei, den Preis zu stabilisieren. Und das ist gut für die Konjunktur. Jede 10 Dollar, die Öl billiger ist, bringen laut Internationalem Währungsfonds 0,2 Prozentpunkte mehr Wachstum für die Weltwirtschaft.


Artikelfunktionen


Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:

'' Zum Anfang