Erfolg für Millionen Versicherte

Interview: Die EU korrigiert ihre Pläne zur Betriebsrente


Brüssel. Sorge in Deutschland um die betriebliche Altersabsicherung für Millionen Menschen: Die EU-Kommission plant Finanzvorschriften, die den Anbietern von Betriebsrenten und Pensionskassen milliardenschwere Lasten aufbürden würden. AKTIV fragt den CSU-Europaabgeordneten und Rentenexperten Martin Kastler, wie es um die Sache steht.

Seit einem Jahr machen die Pläne der EU zu den Betriebsrenten Schlagzeilen. Worum geht es?

EU-Kommissar Michael Barnier wollte die betriebliche Altersvorsorge europaweit besser vor Insolvenz schützen. Und forderte daher von Versicherungen und Firmen immens hohe Rücklagen.

Das klingt doch logisch …

Der Ansatz war falsch. Die Beamten in Brüssel sahen auch in unseren seit 150 Jahren sicheren deutschen Betriebsrenten reine Finanzprodukte. Es bestand die Gefahr, dass viele Arbeitgeber diese freiwillige soziale Leistung nicht mehr tragen können.

Wie teuer wäre das denn geworden?

Die Kosten für die Betriebsrenten wären um mehr als 40 Prozent auf 158,5 Milliarden Euro gestiegen. Allein die Pensionskassen mit ihren 6,7 Millionen Anwärtern hätten 10 Prozent mehr feste Einlagen garantieren müssen, Unternehmen sogar bis zu 40 Prozent mehr – untragbar!

Aber der EU-Kommissar hat jetzt seine Meinung dazu geändert?

Ja! Es gab laute Proteste aus der Politik, von Verbänden, Fachleuten und von Betroffenen. Ich selbst hatte zusammen mit den Chemie-Arbeitgebern die wichtigsten Akteure aus Brüssel zu einem Europäischen Rentenforum nach Nürnberg eingeladen. Das alles hat Wirkung gezeigt und ein Umdenken angestoßen.

Wie geht es jetzt weiter?

Mit großer Mehrheit hat sich das Europäische Parlament inzwischen an die Seite der betrieblichen Altersvorsorge gestellt. Daraufhin hat Barnier seine ursprünglichen Pläne zurückgezogen – er spart den kritischen Teil der Rücklagen aus.

Im kommenden Herbst erwarten wir nun eine abgespeckte Fassung. Diese abgespeckte Version nennen wir in Fachkreisen „Solvency light“. Und natürlich kämpfen wir weiter mit aller Kraft für die Betriebsrente!

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