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Digitalisierung mit Kraft angehen

Interview: Der frühere Olympia-Sieger Michael Groß wirbt als Berater für Industrie 4.0

Selbst ein Metzger im Taunus kann von der Digitalisierung profitieren, sagt Olympia-Sieger und Unternehmensberater Michael Groß. Sie werde jede Branche erfassen. Im Interview erklärt er, worauf es nun für die Betriebe ankommt.

Flog anderen davon: Der Schwimmer Michael Groß, Spitzname „Albatros“. Foto: dpa

Flog anderen davon: Der Schwimmer Michael Groß, Spitzname „Albatros“. Foto: dpa

Kennt sich mit Herausforderungen aus: Heute berät der erfolgreiche Sportler Unternehmen. Foto: Schaarschmidt

Kennt sich mit Herausforderungen aus: Heute berät der erfolgreiche Sportler Unternehmen. Foto: Schaarschmidt

Hildesheim. Als Schwimmer war er superschnell und ein Jahrzehnt erfolgreich, heute unterstützt er als Unternehmensberater Betriebe auf dem Weg der Digitalisierung: der Olympia-Sieger Michael Groß. Vor einem Vortrag für Führungskräfte aus Wirtschaft und Politik erklärt er im AKTIV-Interview, worauf es bei der Digitalisierung ankommt.

Herr Groß, alle Welt redet über Digitalisierung und Industrie 4.0, es gibt große Befürchtungen. Hat das nicht zum Teil hysterische Züge?

Zugegeben: Man kann es manchmal fast nicht mehr hören. Aber es geht bei der Digitalisierung der Arbeitswelt um nicht weniger als eine der größten Revolutionen seit Erfindung des Buchdrucks. Es geht um die Trennung von Bit und Atom – die Information trennt sich von der Materie. Das hat gigantische Auswirkungen und führt mitunter natürlich auch zu Hektik und Durcheinander. Aber „hysterisch“ würde ich das nicht nennen.

Was wird denn so anders in der Arbeitswelt? Nennen Sie einmal ein konkretes Beispiel?

Industrie 4.0 bedeutet, dass Informationen, die von Maschinen und Sensoren ermittelt werden, jedem im Unternehmen sofort und zeitgleich zur Verfügung stehen. Aus diesen Daten filtern Rechner Informationen, die etwa Metall- und Elektrobetriebe für die vorausschauende Wartung nutzen können. Der Techniker weiß dann vorher, wann eine Maschine oder einzelne Teile kaputtgehen, und kann so vorbeugend tätig werden. Dadurch kommt es gar nicht erst zu einem Ausfall der Anlage.

Ist die Digitalisierung wirklich so unausweichlich?

In der Tat. Es gibt keine Branche auf diesem Planeten, die nicht früher oder später von der Digitalisierung erfasst wird. Ich habe einen Bekannten im Hintertaunus, der hat eine Metzgerei und hat sich so ganz neue Kundengruppen erschlossen. Er bietet super Steaks an, konnte damit aber nicht bei den großen Supermärkten landen, weil die mit Schlachtbetrieben kooperieren. Aber er hat Spezial-Know-how, das vermarktet er übers Internet. Er verschickt inzwischen Fleisch bis nach Arabien, das wäre vor zehn Jahren undenkbar gewesen: Man kann die ganze Welt als Kunde gewinnen, dank Digitalisierung.

Die Schnelligkeit der Entwicklung überfordert aber viele Menschen.

Ja, es sind große Herausforderungen, die vor jedem Unternehmer und jedem Beschäftigten liegen. Es liegt aber an jedem selbst, ob er die Chancen wahrnimmt, die sich dabei bieten, oder ob er ausschließlich die Probleme sieht. Der Ansatz sollte lauten: Das Glas ist halb voll, und ich kann es weiter füllen. Dafür muss ich mich fokussieren, mich auf meine Stärken besinnen und alles ausblenden, worauf ich keinen Einfluss habe.

Klingt einfach, ist es aber sicherlich nicht. Oder?

Manager haben es heute schwerer, richtige Entscheidungen zu treffen. Die Variablen sind so vielfältig, dass eine Entscheidung, die heute richtig scheint, in einem halben oder in einem Jahr schon wieder falsch sein kann. Was man jedoch tun kann, ist die richtigen Fragen stellen. Zum Beispiel: Warum gibt es unser Unternehmen in zehn Jahren noch? Wo sind wir angreifbar, wo sind wir schwach? So entdeckt man Möglichkeiten, sich weiterzuentwickeln.

Welche Aufgabe haben Staat und Politik auf dem Weg ins digitale Zeitalter?

Sie müssen für die Rahmenbedingungen sorgen. Zum einen, was die Datensicherheit angeht, zum anderen für leistungsstarke Internetverbindungen. Da ist Deutschland außerhalb der Metropolen noch Entwicklungsland.

Welche Erfahrungen des Spitzensportlers Michael Groß kann der Berater Michael Groß für seine Arbeit nutzen?

Man muss sich immer wieder auf neue Konstellationen einstellen, neue Herausforderungen annehmen. Bei meinem Sport ging es zwar im Prinzip immer um das Gleiche, nämlich hin- und herzuschwimmen. Doch jeder Wettkampf ist anders, und man muss sich immer wieder neu darauf einstellen, um die beste Lösung zu finden und Erfolg zu haben.

Der Sportler

Michael Groß

  • 1964 in Frankfurt am Main geboren, verheiratet, zwei Kinder
  • 1982 siegt er erstmals bei einer Weltmeisterschaft
  • 1984 bei den Olympischen Spielen in Los Angeles holt Groß zweimal Gold und zweimal Silber
  • Der Schwimmer schafft 12 Welt- und 24 Europarekorde
  • Groß studiert Germanistik, Politik und Medienwissenschaften, macht den Doktor
  • Heute ist er Unternehmensberater und lehrt an der privaten Universität Frankfurt School of Finance and Management

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