„Ehrenrunde kostet 4.000 Euro“

Interview: Bildungsexpertin Barbara Dorn zum Sitzenbleiben in der Schule

Berlin. Jährlich müssen rund 150.000 Schüler eine Klasse wiederholen. Doch Studien sagen: Das bringt gar nichts. AKTIV sprach mit Barbara Dorn, Bildungsexpertin der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, über Alternativen zum Sitzenbleiben.

Ist es sinnvoll, dass Schüler ein Jahr wiederholen?
Nein. Denn einfaches Wiederholen des Stoffes bringt gar nichts. Studien zeigen, dass dies langfristig keinen positiven Effekt etwa auf das Niveau bei Schulabschluss hat. Es ist unnütz und teuer. Jede Wiederholung kostet im Durchschnitt 4.000 Euro, und den Jugendlichen geht Lebenszeit verloren. Das Geld und die Zeit sollten wir lieber in die individuelle Förderung stecken, um auch lernschwache Schüler fit zu machen.

Was heißt das konkret?
Lehrer sollten sich über den Wissensstand ihrer Schüler austauschen und für jeden Einzelnen konkrete Lern- und Förderangebote abstimmen. Ältere Schüler könnten als Tutoren beim Üben und Wiederholen helfen. Wichtig sind auch Praktika in Betrieben. Solche Erfahrungen motivieren: Denn so sehen die Jugendlichen, was sie in der Schule lernen müssen, um mit einer Ausbildung ins Berufsleben zu starten.

Eine drohende Ehrenrunde könnte aber auch motivierend wirken.
Das bezweifle ich. Schüler aus ihrem sozialen Umfeld und ihrer Lerngruppe herauszureißen, ist der falsche Weg. Deshalb muss der Grundsatz heißen: motivieren und mitnehmen, statt drohen und ausgrenzen.

Sie würden also das Wiederholen ersatzlos streichen?
Nein, Ausnahmen muss es geben. Etwa bei Krankheit oder bei familiären Problemen. Dass aber wie heute jeder fünfte Schüler während seiner Schulzeit eine Ehrenrunde dreht, ist entschieden zu viel.


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