Die Plattform Industrie 4.0 und das IIC wollen zusammenarbeiten

Interoperabilität: Amis und Deutsche tüfteln jetzt gemeinsam am Internet der Dinge

Hand drauf? Jedenfalls sind sich beide Seiten schon recht nah. Foto: getty; Montage: Roth

Zürich. Wenn gewaltige Recken lieber doch nicht zum Zweikampf antreten wollen, sondern sich einfach friedlich die Hand reichen – dann wohl am besten auf neutralem Boden. So gesehen war das schweizerische Zürich passend für ein wegweisendes Treffen. Dort zeigte sich jetzt: Amis und Deutsche bauen gemeinsam an der Fabrik der Zukunft.

Das jedenfalls betonten anschließend namhafte Vertreter der „Plattform Industrie 4.0“ und der US-Initiative „Industrial Internet Consortium“ (IIC). In beiden sind Weltkonzerne engagiert, Cisco und Siemens etwa, IBM und SAP. Beide Initiativen treiben voran, was die Wirtschaft im 21. Jahrhundert beherrschen wird – die Digitalisierung der gesamten Wertschöpfungskette.

Fabriken, Zulieferer und Kunden tauschen Daten automatisch weltweit aus

Dafür ist eine Art gemeinsame Sprache immens wichtig. Im Fachjargon: „Interoperabilität“. Wir wundern uns ja nicht mehr darüber, dass sich Digitalkamera, USB-Kabel und Drucker verstehen, obwohl sie von verschiedenen Herstellern sind. Ähnlich selbstverständlich soll allseitiger automatischer Datenaustausch werden – nicht etwa nur innerhalb eines Betriebs, sondern zwischen der Fabrik im Land A, dem Zulieferer im Land B und dem Kunden im Land C. Oder zum Beispiel auch zwischen Autos und Straßenampeln.

Auf dem Weg dahin haben die Deutschen ihre Produktionsprozesse intensiv durchleuchtet und ein „Referenzarchitekturmodell“ entwickelt (Faktenblatt zum Download: ao5.de/rami). Die Amis sind breiter aufgestellt. In ihrem Modell (Kürzel „IIRC“) ist die Fertigung nur einer von vielen Bereichen – ebenso wie etwa das Gesundheitswesen.

Koppeln nun Global Player diese grundlegenden Modelle erfolgreich aneinander, kann das weltweit die Richtung vorgeben. Und für revolutionäre Verbesserungen sorgen.

Ein kleines Beispiel dafür lieferte gerade Bosch. Bei der Fertigung von Hydraulikventilen im Werk Homburg arbeiten Anlagen und Energiemanagement nun so zusammen, dass teurer Spitzenstrom vermieden wird. „Wir demonstrieren zum ersten Mal, wie die Standards der Plattform und des IIC erfolgreich zusammenspielen“, sagt Bosch-Geschäftsführer Werner Struth. Und er ergänzt: „Ihren vollen Nutzen kann die vernetzte Industrie nur entfalten, wenn sie weder am Werktor noch an Grenzen durch unterschiedliche Regelwerke gestoppt wird.“


Netzausbau ist zu langsam

  • Damit Deutschland bei der Digitalisierung mithält, müssen die Netze besser werden. Das dauert aus Sicht der Wirtschaft zu lange.
  • Der Industrie-Dachverband BDI sieht „Gefahr im Verzug“: Von einer hochleistungsfähigen Breitband-Infrastruktur sei man „weit entfernt“.
  • Bei Netztempo und Netzabdeckung müsse das Land nun rasch aufholen – „sonst droht der Industriestandort abgehängt zu werden“.

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