Hier schlägt das Herz der Medizintechnik

Interaktive Grafik: Hightech im Operationssaal

Heidelberg/Stuttgart. Ein Blick in die Kinder-Herzchirurgie der Uni-Klinik Heidelberg: Kleine Erdenbürger, die mit einem Herzfehler zur Welt kommen, erhalten hier eine Zukunft – dank des ärztlichen Know-hows und mithilfe hoch entwickelter Technologie aus den Betrieben im Land.

Für mehr Informationen klicken Sie einfach auf die Zahlen in der folgenden AKTIV-Grafik:


(Foto: Uniklinik Heidelberg)

Der technische Fortschritt trägt mit dazu bei, dass immer mehr Leiden operativ behandelt und geheilt werden können. Ob Bypass fürs Herz, neues Gelenk für die Hüfte oder künstliche Bandscheiben: Die Zahl der Operationen ist hierzulande stark gestiegen.



47.000 Mitarbeiter beschäftigt der Südwesten

Mehr als 800 Medizintechnik-Hersteller mit rund 47.000 Beschäftigten gibt es im Südwesten Deutschlands, die Zulieferer nicht mitgezählt. Damit ist Baden-Württemberg im Bundesländer-Vergleich spitze. 2007 bis 2014 stieg der Umsatz dieser Unternehmen um 28 Prozent – auf über 70 Millionen Euro. Die meisten hier gefertigten Produkte sind chirurgische Instrumente, viele gehen in den Export. Sie spielen in den Operationssälen der Welt die Hauptrolle, von Heidelberg bis Hongkong.

Interview: Warum der Südwesten in Medizintechnik führt

Professor Hugo Hämmerle, Leiter des Naturwissenschaftlichen und Medizinischen Instituts an der Universität Tübingen (NMI) in Reutlingen. Foto: NMI
Professor Hugo Hämmerle, Leiter des Naturwissenschaftlichen und Medizinischen Instituts an der Universität Tübingen (NMI) in Reutlingen. Foto: NMI

Reutlingen. Baden-Württemberg ist eine Hochburg der Medizintechnik. AKTIV sprach mit Professor Hugo Hämmerle, Leiter des Naturwissenschaftlichen und Medizinischen Instituts an der Universität Tübingen (NMI) in Reutlingen, über Forschung am Standort.

Warum gibt es hier so viele Medizintechnik-Hersteller?

Chirurgische Instrumente haben in Baden-Württemberg eine sehr lange Tradition. Schon im 19. Jahrhundert, als die Chirurgie aufkam, hat man in Tuttlingen begonnen, sie im industriellen Maßstab herzustellen. Durch dieses Know-how, ausgehend vom Unternehmen Aesculap, ist allein in Tuttlingen eine Ansammlung von Herstellern, also ein Cluster, mit rund 400 Firmen entstanden.

Gibt es noch mehr Cluster?

In der Schmuckstadt Pforzheim etwa, wo viel Zahngold produziert wurde, hat sich eine starke Dental- Industrie entwickelt. Der Raum Mannheim ist besonders stark im Bereich Diagnostik. Und, und, und. In der Summe gibt es im Südwesten über 800 Medizintechnik-Hersteller in vielen verschiedenen Clustern.

Wie können Konkurrenten dicht nebeneinander überleben?

Auf dem Weltmarkt haben die Kunden an gleiche Produkte sehr unterschiedliche Anforderungen. So konnten sich die Anbieter auf Nischen spezialisieren und sich hier mit Innovationen profilieren.

Wie helfen Sie ihnen bei dieser schwierigen Aufgabe?

Beispiel: Ein Hersteller möchte wissen, welcher Spezialklebstoff bei einem Implantat Metall- und Kunststoffkomponenten am besten zusammenhält. Das finden wir dann heraus. In Summe arbeiten wir mit etwa 100 Unternehmen zusammen.

Geben Sie auch von sich aus Anregungen an Firmen weiter?

Ja, viele Themen stoßen wir selbst an, um Trends zu begleiten – zum Beispiel, dass Implantate zunehmend durch körpereigenes Gewebe ersetzt werden können. Dann gehen wir auf Firmen zu und gründen Forschungsverbünde.

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