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Schnelleres Geld

Instant Payment: Das bringen uns die Sepa-Echtzeitüberweisungen

Wer heute Geld überweist, kann davon ausgehen, dass die Summe morgen beim Empfänger auf dem Konto ist. Von Werktag zu Werktag zumindest. Bald geht das viel schneller. Nämlich in wenigen Sekunden – rund um die Uhr, quer durch Europa.

Foto: Adobe Stock

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Wer beispielsweise schon mal privat ein Auto verkauft hat, kennt vielleicht das Problem: Man steht einem Fremden gegenüber, der ein Bündel Geldscheine übergibt. Sind diese echt? Das ist für den Laien oft schwer zu erkennen. Außerdem kann es ein mulmiges Gefühl verursachen, mit der größeren Summe Bargeld durch die Gegend zu laufen „Damit ist Schluss, sobald die sogenannten Instant Payments flächendeckend verfügbar sind“, sagt Gerhard Bystricky, verantwortlich für die Produktentwicklung im Bereich Zahlungsverkehr bei der UniCredit/HypoVereinsbank.

Ab Mitte 2019 in weiten Teilen Deutschlands

Unter Instant Payment versteht man eine Geldüberweisung in Echtzeit. In der Fachsprache heißt sie darum auch Sepa-Echtzeitüberweisung. „Ich überweise jetzt Geld, und der Empfänger kann nach wenigen Sekunden darüber verfügen und es beispielsweise am Geldautomaten abheben“, so Bystricky.

Bis das alle Deutschen nutzen können, wird es laut Auskunft des Bankenverbands wahrscheinlich Mitte 2019 werden. Nur die Kunden der HypoVereinsbank können in Deutschland schon heute in Echtzeit Geld überweisen, denn die Münchner waren vom Start des europaweiten Systems im November 2017 an dabei.

Vorteil für die Bank: „Wir können unseren Kunden schon jetzt einen Service anbieten, von dem wir sicher sind, dass er sich durchsetzen wird.“ Nachteil: Damit die Kunden es wirklich sinnvoll einsetzen können, müssen die anderen Banken mitziehen. Denn bisher können sich die Kunden der HypoVereinsbank nur untereinander Geld in Echtzeit überweisen.

„Und auf Bankkonten im europäischen Ausland, die Instant Payments bereits unterstützen. Das sind gar nicht so wenige: In Österreich, Spanien oder Italien sind Instant Payments schon deutlich verbreiteter als in Deutschland.“

Geldtransfer in wenigen Sekunden, rund um die Uhr

Eingeführt wurde die neue Infrastruktur übrigens auf Wunsch der Europäischen Zentralbank im gesamten Euro-Raum. „Mit der Sepa-Echtzeitüberweisung kann 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche Geld überwiesen werden“, sagt Ingo Beyritz vom Bankenverband. „Die maximale Zeit, die eine Überweisung mit dem neuen Verfahren benötigt, liegt bei zehn Sekunden ab Ausgang bei der Bank.“

Der Unterschied zu heute ist groß: Geld überweisen kann man bisher nur an Werktagen. Und wer morgens eine Überweisung fertig macht, muss damit rechnen, dass sie erst am Abend ausgeführt wird. Das Geld kommt dann in der Regel im Laufe des nächsten Tages beim Empfänger an. Damit wird mit Instant Payments Schluss sein: Überweisungen sind dann rund um die Uhr möglich.

Vom eigenen Girokonto aus

Zwar gibt es ähnliche Angebote schon von Apps oder dem Online-Bezahldienst PayPal. Aber: „Die Sepa-Echtzeitüberweisung wird ans Girokonto angebunden sein“, so Beyritz. Und das hat in Deutschland fast jeder. Somit ist die Überweisung also nicht mehr davon abhängig, ob man die richtige App installiert oder beispielsweise ein PayPal-Konto hat, sondern Echtzeitüberweisungen werden so normal sein wie heute eben eine Überweisung.

Davon abgesehen kann man Geld, das per PayPal oder anderen Anbietern überwiesen wird, nicht am Automaten abheben, ohne es vorher auf ein Girokonto transferiert zu haben. Nicht einmal ein Smartphone wird man übrigens künftig für die Echtzeitüberweisung benötigen, denn Instant Payment ist auch im Onlinebanking am Computer möglich.

„Allerdings ist es eine Frage des Kontomodells, ob dafür zusätzliche Kosten anfallen“, sagt Bystricky. Bleiben die Kosten übersichtlich, bietet die Technik viele Möglichkeiten: Wer beispielsweise Waren online kauft und in Vorkasse geht, darf mit einem schnelleren Versand rechnen, weil er früher bezahlt hat.

Weitere Vorteile

Auch viele Alltagssituationen, in denen sich Verbraucher gegenseitig kleine Beträge leihen, die dann oft lange nicht zurückgezahlt werden, lassen sich so entschärfen. Beispiel: Man ist mit Freunden in einem Restaurant, einer bezahlt, die anderen sollen ihren Anteil dazugeben, haben aber nicht genügend Bares dabei. Also überweisen sie den Betrag schnell vom Handy aus, und die Sache ist erledigt.

Ähnlich ist es beim Bezahlen der Maklercourtage, wenn der Wohnungsvermittler darauf besteht, sie in bar zu bekommen: Niemand muss mehr mit großen Summen auf die Straße gehen. Man zückt einfach das Handy und begleicht den ausstehenden Betrag. Das kann auch hilfreich sein, wenn man nach einem Taschenraub im europäischen Ausland plötzlich ohne alles da steht.

Oder wenn Verbraucher sehr kurzfristig ein Abo oder eine Versicherung abschließen und sofort nutzen wollen. Heute würden sie im Zweifel erst dann vom Abschluss profitieren, wenn das Geld auf dem Konto angekommen ist. „Mit Instant Payment wäre das sofort möglich“, so Bystricky. „Auch wenn schon heute zahlreiche Anwendungsbeispiele denkbar sind, wird sich das volle Potenzial der neuen Technologie erst im Laufe der Zeit zeigen“, sagt Bystricky. „Zu Beginn des Internets konnten sich auch die wenigsten vorstellen, was heute damit möglich ist.“


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