RSS Feed abonnieren
Feedback senden

Textiler Schnee-Ersatz

Innovativer Stoff: Ski-Piste aus Hightech-Material könnte zum Exportschlager werden

Skifahren funktioniert jetzt auch bei sommerlichen Temperaturen – und zwar outdoor, statt in gekühlten Skihallen. Möglich wird das durch textile Gleitmatten made in Germany. Die sind zur Zeit besonders in China begehrt.

Kein Schnee notwendig: Training im österreichischen Mariaalm. Foto:MrSnow

Kein Schnee notwendig: Training im österreichischen Mariaalm. Foto:MrSnow

Die Erfinder: Jens Reindl (links) und Felix Neubert mit einer Textilbahn. Foto: Söll

Die Erfinder: Jens Reindl (links) und Felix Neubert mit einer Textilbahn. Foto: Söll

Trickreiche Struktur: Im norwegischen Geilo liegen die Matten unterm Skilift. Foto: Mr Snow

Trickreiche Struktur: Im norwegischen Geilo liegen die Matten unterm Skilift. Foto: Mr Snow

Chemnitz. Deutschland ist nach den USA die zweitgrößte Skifahrernation der Welt: 15 Millionen Bundesbürger zieht es auf die Piste. Natürlich – wie könnte es anders sein – meistens im Winter.

„Das kann sich in Zukunft ändern“, erwartet Jens Reindl. Skifahren, Snowboarden oder Rodeln werde dann auch bei sommerlichen Temperaturen möglich sein – und zwar outdoor, statt in teuren, gekühlten Skihallen.

Die Gleitmatte: Beispiel für eine hoch innovative Branche

„Das ist unsere Vision“, sagt Reindl. Um sie zu verwirklichen, hat der Chef des Chemnitzer Textilunternehmens MrSnow neun Jahre lang an einem Hightech-Stoff getüftelt. Auf ihm soll man dahingleiten wie auf echtem Schnee. Reindls textile Ski-Piste gehört zu einer Vielzahl von Entwicklungen, mit denen die deutsche Textilbranche weltweit erfolgreich ist. Fast 20 Prozent ihres Umsatzes macht sie mit Neuerungen. Sie gehört zu den innovativsten Industriesparten Deutschlands – nach Auto-, Elektro- und Maschinenbau-Industrie.

Besonders stark sind die Produzenten bei technischen Textilien, die zu 60 Prozent in den Export gehen. Dazu gehören Karbongelege für die Flügel von Windkraftanlagen, textile Gitter für die Armierung von Beton – oder mit Sensoren bespickte Stoffe, die in Shirts Puls und Temperatur registrieren können. So entstehen aus altbekannten Textilien immer wieder neue Produkte, weil sie mit zusätzlichen Eigenschaften ausgerüstet werden.

Umweltfreundliche Variante zu Kunstschnee

Bei den Chemnitzern geschieht das über die patentierte Struktur des mehrschichtigen und luftdurchlässigen Gewebes. „Wir sagen dazu Berge und Täler“, so Reindl, selbst Wintersportler.

Auf den abgerundeten „Berggipfeln“ gleite der Ski dahin, während die Skikante ins nächste „Tal“ abtauche und so der gesamte Ski Halt fände. Das Besondere: Die Struktur sorgt dafür, dass man Kurven wie im natürlichen Schnee fahren kann. Das klappt ohne den Einsatz von Wasser und Chemikalien, wie es bei Kunststoffpisten notwendig ist.

Mittlerweile statten die Chemnitzer Tüftler Skischulen in ganz Europa mit den zwei mal zehn Meter großen Matten aus: „Die können ihre Kurse unabhängig vom Schnee zu Saisonbeginn starten“, so Reindl. Nach Saisonende wird das wiederverwendbare Material bis zur nächsten Anwendung gelagert. „In Frankreich sind wir in so gut wie jedem Skigebiet vertreten und rüsten dort auch Skilifte mit unseren Matten aus.“

Der aktuelle Auftrag der Firma hat allerdings eine ganz andere Dimension. Weil 2022 in China die Olympischen Winterspiele stattfinden, sollen bis dahin 300 Millionen Chinesen Gefallen am Wintersport finden: „Das geht nur, wenn auch im warmen Süden Skigebiete entstehen. Und die rüsten wir aus“, so Reindl. 10.000 Quadratmeter Piste wurden schon geliefert. Weitere Aufträge laufen derzeit auf den fünf Textilmaschinen in der Produktion. Und Reindl denkt schon weiter. Sein Team verfeinert derzeit eine Loipen-Variante der Gleitmatte für Langlauf-Ski.


Mehr zum Thema:

Eine App kennt die Wartezeit am Skilift. In der Brille weist ein Display den Weg zur nächsten Hütte: Mobile Computersysteme, also Wearables, sind der letzte Schrei im Wintersport. Die Deutschen lassen sich das einiges kosten.

Skifahren und Snowboarden bringen jede Menge Spaß – vorausgesetzt, man bleibt dabei warm und trocken. Wie gute Winterklamotten den Spagat zwischen wetterfest und und extrem elastisch schaffen, lesen Sie hier.

Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:

Zum Anfang