Auto-Beschichtung

Innovative Folie löst Sprühpistole ab


Stuttgart. Autolack ist edel und soll was aushalten. Damit er den hohen Anforderungen der Hersteller und ihrer Kunden genügt, muss man ihn bisher aufwendig in mehreren Arbeitsgängen auf Leisten, Blenden und andere Karosserieteile auftragen.

Das dauert. Und kostet viel Material: Beim Aufsprühen des Lacks, etwa auf Dachreling und Blenden, geht ein Teil daneben. „Overspray“ heißt dieser Verlust. Doch bald wird alles einfacher!

In nur einem Schritt lassen sich Fahrzeugteile künftig passgenau lackieren – mit einer Art Folie. Entwickelt hat das Verfahren die Lack- und Farbenfabrik Wörwag aus Stuttgart. Daimler verwendet die Technologie an diesem Standort bereits für Anbauteile der A-, B- und C-Klasse von Mercedes.

Folie macht die Sprühpistole überflüssig

Möglich macht das Ganze ein raffinierter Trick: „Wir stellen den Lack zuerst unter idealen, kontrollierten Bedingungen im Reinraum als Bahnware her“, erklärt Helge Warta, Abteilungsleiter Lackfolientechnik bei Wörwag. „Dann wickeln wir ihn als Rolle auf.“ So lässt sich der komplexe, mehrschichtige Lackaufbau als Film herstellen. Eine kleine Sensation.

Statt Schicht für Schicht flächig aufzutragen, kann man den kompletten Lack für kleinere Anbauteile als Folie in nur einem Arbeitsgang übertragen. „Sogar Metallic-Effekte sind möglich“, schwärmt Warta.

Und wie funktioniert die Sache mit der Folie genau? „Der sogenannte Transferlack besteht aus einer in Wunschfarbe eingefärbten, thermoaktiven Haftschicht auf Wasserbasis“, erklärt der Experte. „Und einem UV-Klarlack auf einer Trägerfolie aus Kunststoff.“ Der Transferlack ist in zwei dünne Schutzfolien eingebettet, die man vor der Verarbeitung entfernt.

Drei Jahre Entwicklung stecken in der neuen Technik, inzwischen ist sie serienreif. Und für die Industrie hochinteressant. Denn der „Lack von der Rolle“ spart Zeit und Geld. Und das gleich in mehrfacher Hinsicht.

Einmal ist so eine Folienschicht in jeweils nur einer Minute abgelüftet und getrocknet. Und eine Lackiertechnik, bei der nicht mehr gesprüht wird, macht teure Lackierkabinen, Luftreinigung und Verbrauchsmaterial wie Filtermatten überflüssig. Zudem lassen sich die Rollen mit dem Lackfilm passend zuschneiden, es entsteht kaum Abfall: Nahezu 100 Prozent des Materials gelangt genau dorthin, wo es hin soll. Damit ist der Overspray Schnee von gestern.

„Wir können Kunststoff-Bauteile mit einer Materialeinsparung von 30 Prozent beschichten“, sagt Warta. „Und dennoch liegt am Ende ein lackiertes Produkt vor, bei dem kein Unterschied zu einem konventionell beschichteten Bauteil festzustellen ist,“ ergänzt der Lackexperte.

Weiterer Pluspunkt: „Im Vergleich zu herkömmlichen Lackierverfahren benötigen wir für die Herstellung des Transferlacks nur ein Achtel der Energie,“ versichert der Forschungsleiter.

So viel Erfindergeist zahlt sich aus: Wörwags Transferlack erhielt bei der Internationalen Fachmesse für Oberflächen und Schichten kürzlich den Preis „Oberfläche 2012 in Gold“.

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