IW-Köln-Prognose: Bis 2030 droht eine erhebliche Lücke

„Ingenieure werden bald knapp – und wir können gar nicht zu viele haben“

Interview: Es droht eine Experten-Lücke

Köln. Ohne Ingenieure sähe die Industrie alt aus. Aber Deutschlands Jugend schrumpft – die Nachfrage nach diesen zentralen Mitarbeitern wird daher bald größer sein als das Angebot. Der Ökonom Oliver Koppel vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) hat errechnet, was auf die Betriebe zukommt.

Haben wir etwa zu wenig Ingenieure im Lande?

Aktuell gibt es kaum Probleme. Knapp 1,7 Millionen Absolventen ingenieurwissenschaftlicher Studiengänge sind erwerbstätig. Ihre Zahl ist seit 2005 um fast 3 Prozent pro Jahr gestiegen.

Aber?

Ingenieure werden bald knapp, weil altersbedingt immer mehr ausscheiden werden und von den Unis immer weniger nachrücken werden. Wir haben das bis 2029 durchgerechnet. Eine Basis war die amtliche Prognose der Schulabgänger, deren Zahl sehr deutlich sinken wird.

Wie groß wird die Lücke?

Das hängt von Parametern wie der Studierneigung ab, der Abbrecherquote, der Zuwanderung von diplomierten Kräften.Bei vernünftigen Annahmen ergibt sich eine kumulierte Lücke von bestenfalls 84.000 – was verkraftbar wäre – und schlimmstenfalls 389.000 Kräften.

Wenn junge Leute jetzt darauf setzen: Haben wir dann hinterher womöglich nicht sogar zu viele Ingenieure?

Zugespitzt gesagt: Wir können gar nicht zu viele haben. Mega-trends wie Industrie 4.0, Energiewende, Ressourceneffizienz und so weiter können ja nur von Ingenieuren bedient werden.

Was kann die Politik tun, um die Lücke zu verkleinern?

Man könnte ja meinen: weniger Schulabgänger, prima, also streichen wir Lehrstühle, das spart Steuern. Aber bitte bloß nicht in den Ingenieurwissenschaften! Wir sollten da im Gegenteil versuchen, vermehrt ausländische Studierende anzuziehen. Die dann hoffentlich auch nach ihrem Abschluss in Deutschland bleiben.

 

 


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