Die Natur im Tank

Informatiker der VTA Verfahrenstechnik belegen, was im Kraftstoff „bio“ ist


Gelsenkirchen. Ist Biosprit wirklich nachhaltig? Den Nachweis erbringt ein Team um Projektleiter Daniel Koslowski: Die Informatiker entwickeln und betreuen eine spezielle Software für die VTA Verfahrenstechnik und Automatisierung in Gelsenkirchen, einen Dienstleister der Mineralöl- und Petrochemie-Industrie.

Seit 2007 müssen Mineralölunternehmen Diesel und Benzin auch Treibstoff aus Biomasse wie Mais oder Raps beimischen. Und belegen, woher diese stammt. „Ginge es um Fleisch, könnte man einfach den Metzger seines Vertrauens nach der Herkunft fragen", sagt Koslowski. Doch so einfach geht das an der Zapfsäule nicht.

„Ein Hinweis, dass der Kraftstoff zum Beispiel x Prozent Bioethanol von Landwirt Y enthält, ist wegen der diversen Vermischungen nicht umsetzbar“, so der Experte. Denn Biosprit lässt sich aus heimischen Zuckerrüben oder Kartoffeln herstellen, aus brasilianischem Zuckerrohr, argentinischem Mais, ja sogar aus Stroh. „In den Tank fließen Biokraftstoffe aus mehreren Quellen“, schildert Koslowski die Lage.

Dennoch müssen Kraftstoff-Lieferanten seit 2010 belegen, dass Raps, Mais & Co. nachhaltig produziert sind. Das heißt, dass weder Regenwälder noch Torfmoore dafür vernichtet wurden. Große Mineralölkonzerne müssten dafür pro Jahr bis zu 30.000 Nachweise erbringen, ein enormer Verwaltungsaufwand.

Alle Nachweise laufen über die Bundesanstalt für Landwirtschaft

Mühsam müssten sie bei der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung diese Nachweise abfragen, in der dortigen Datenbank Nabisy. Einzeln und per Hand. Diese Arbeit nimmt ihnen nun das Portal von VTA-Biofuels ab.

Koslowski: „Wir nutzen eine Schnittstelle zur Nabisy-Datenbank und verknüpfen jede Lieferung in die Raffinerie mit dem Nachhaltigkeitsnachweis. Wir prüfen, ob alle Dokumente vorliegen und errechnen automatisch den Bioanteil. So kann jedes Unternehmen sehen, wie weit es seine Quote bereits erfüllt hat.“ Da sich die rechtlichen Vorgaben ständig ändern, passen Gabriel Akanbi und Robert Butz das Programm jeweils an.

So müssen die Kraftstoff-Hersteller ab 2015 nicht wie aktuell eine bestimmte Quote beimischen. Sie sind dann gesetzlich dazu verpflichtet nachzuweisen, dass sie mindestens 3 Prozent der Treibhausgase durch Beimischung von Biomasse einsparen.

Übrigens

2,5 Millionen Tonnen Biodiesel im Jahr

  • Die Bezeichnungen E5, E10 und E85 zeigen, wie viel Prozent Bioethanol das Benzin maximal enthält.
  • Im Diesel sind immer bis zu 7 Prozent Bio drin. Eine EU-Richtlinie fordert den Nachweis aus nachhaltiger Produktion.
  • 2012 wurden in Deutschland 2,5 Millionen Tonnen Biodiesel und 1,2 Millionen Tonnen Bioethanol verkauft. 

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