Konsum

Inflation im Sturzflug


Auf : Preis-Anstieg in Prozent, im Vergleich zum Vorjahresmonat

Fallende Preise: Sind sie gefährlich oder nicht?

Wiesbaden. Deutlich teurer: Fischstäbchen, Honig, Möhren. Viel billiger: Sahne, Salat, Zitronen. Kein einheitliches Bild. Der alltägliche Gang durch den Supermarkt kann nicht zeigen, wie stabil der Geldwert gerade ist. Schade, denn: Der Euro ist so hart wie noch nie! Und jetzt dürfen wir uns sogar auf ein paar Monate mit „negativer Inflation“ freuen.

Schon im Mai war die Teuerungsrate auf 0,0 Prozent gesunken, wie das Statistische Bundesamt jetzt bestätigte. Der „Warenkorb“ (rund 700 Produkte und Dienstleistungen) kostete also gleich viel wie im Mai 2008. Null Teuerung – das hat es in Deutschland seit mehr als zwei Jahrzehnten nicht gegeben.

Für den Euro ist es sogar die Premiere in Sachen „0,0 Prozent“. Dieser Inflationswert galt im Mai nämlich auch für die Währungsunion insgesamt – so jedenfalls die Vorausschätzung des zuständigen Amtes Eurostat.

Mogelpackungen im Visier

Moment mal: Fallen die Statistiker etwa auf die diversen „Mogelpackungen“ herein, die zuletzt wieder für Schlagzeilen sorgten? Gleicher Preis – aber weniger Inhalt? Thomas Krämer, Experte beim Statistischen Bundesamt, stellt klar: „Unsere bundesweit etwa 600 Preis-Ermittler müssen natürlich auch die Menge abfragen und dokumentieren.“

Dass das Leben nicht teurer geworden ist, liegt vor allem an Heizöl und Sprit – die im Mai viel billiger waren als vor einem Jahr. Damals kostete ein Rohöl-Fass am Weltmarkt gut doppelt so viel wie heute. Der Höhenflug des Schwarzen Goldes zog 2008 die Inflation nach oben. Jetzt läuft es umgekehrt – und vergangene Rekorde prägen den Jahresvergleich. Deswegen wird die Inflationsrate „in den kommenden Monaten vorübergehend ins Negative drehen“, schreibt die Bundesbank in ihrem druckfrischen Monatsbericht.

 Ein Minus bei der Teuerung: Droht da nicht eine sogenannte Deflation? Also eine Abwärtsspirale – keiner kauft mehr ein, weil alle auf noch günstigere Preise warten? Ökonomen sind sich einig, dass so etwas für die gesamte Wirtschaft extrem gefährlich wäre.

Auch 2010 stabiles Geld

Die Bundesbank gibt aber schon vorab Entwarnung. „Ein länger anhaltender Rückgang des allgemeinen Preisniveaus ist nicht wahrscheinlich.“ Für die nächste Zeit gelte: „Das Preisklima bleibt freundlich und konjunkturstützend.“ Im Jahr 2010 sei mit einer durchschnittlichen Teuerungsrate von 0,5 Prozent zu rechnen.

EU-Währungskommissar Joaquin Almunia: „Ich sehe überhaupt kein Risiko für eine Deflation in der Euro-Zone.“

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