Standort D: Geht uns die Luft aus?

Industrie investiert nur zögerlich – der Staat könnte da nachhelfen

Frisches Geld in heimische Werke pumpen? Da tut sich offenbar zu wenig. Foto: Plainpicture / Montage: Roth

Berlin. Im Wirtschaftsministerium ist man guter Dinge. „Die deutsche Wirtschaft befindet sich im Aufschwung“, lässt sich da gerade erfahren, „zusätzlichen Schub geben der niedrige Ölpreis und die Euro-Abwertung.“ Auch schön: „Der Arbeitsmarkt befindet sich weiter im Aufwind.“ Na prima. Dann kann sich der Minister doch vorzeitig in die Sommerpause verabschieden, oder?

Von wegen! Auf Sigmar Gabriel wartet Arbeit. Denn unter der glänzenden Oberfläche lauert ein hässliches Problem.

Pointiert aufgeschrieben hat ihm das jetzt eine prominent besetzte Expertenkommission, die der Minister selbst eingesetzt hat: „Die Investitionen deutscher Unternehmen im Inland sind deutlich zurückgegangen. Sie sind zu gering, um die langfristige Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts Deutschland zu sichern. Diese private Investitionsschwäche ist das Resultat unzureichender Rahmenbedingungen.“

Das Thema treibt Wirtschaftsforscher schon länger um. Das Frankfurter Institut Deutsche Bank Research hat zum Beispiel das „reale Nettoanlagevermögen“ untersucht: Also das, was den Betrieben alles gehört an Bauten, Anlagen, Fahrzeugen und so fort – Abschreibungen und Inflation rausgerechnet. Bilanz aller Industriebranchen für die Jahre 1995 bis 2012: ein reales Minus von 1,6 Prozent! „Die Politik“, so Deutsche Bank Research, „sollte die Investitionszurückhaltung als Warnsignal interpretieren.“

Im Ausland dagegen, da ziehen unsere exportorientierten Firmen munter immer neue Werke hoch. „2015 wollen 47 Prozent der Industriebetriebe dafür Kapital in die Hand nehmen – so viele wie noch nie“, hat der Wirtschaftsdachverband DIHK gerade ermittelt. Dabei geht es zwar meistens um Kundennähe und Markterschließung – aber: Etwa jedes vierte auslandsaktive Unternehmen setzt auf auswärtige Fertigung, um zu sparen. „Verlagerung aus Kostengründen bedeutet Investitionsverzicht und zumindest mittelfristig weniger Beschäftigung an heimischen Standorten“, stellt der DIHK fest.

Aber wo könnte Gabriel ansetzen, an welchen Rahmenbedingungen kann er schrauben?

Hohe Energiekosten stören viele Betriebe

Als „starkes Investitionshemmnis“ galten 2014 zum Beispiel die Energiekosten, aber auch die Bürokratie am Standort D, wie eine Befragung von rund 2.900 Firmen durch das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) aufzeigte.

Unternehmerverbände mahnen zudem unter anderem eine Stärkung der Infrastruktur an, mit Blick auf das Straßen-, das Strom-, aber auch das Datennetz. Zudem könnten steuerliche Impulse mehr Investitionen in die heimischen Werke bringen – großzügigere Abschreibungsregeln etwa oder eine steuerliche Forschungsförderung.

Falls andere Politiker da querschießen, sollte Gabriel sie an eine ökonomische Binsenweisheit erinnern: Die Investitionen von heute sind das Wachstum von morgen.


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