Alle Chancen nutzen

Industrie appelliert an Politik: Gasförderung durch Fracking nicht ausschließen

Pipeline gen Westen: Russland deckt fast 40 Prozent des deutschen Erdgasbedarfs. Foto: Reuters

Berlin. Die Sorgen um Russlands Gaslieferungen nehmen zu, kürzlich strömte weniger als sonst durch die Pipelines – und jetzt gerät die Versorgung auch noch von anderer Seite in Gefahr! „Die seit Jahrzehnten in Deutschland erprobte konventionelle Erdgasförderung droht massiv eingeschränkt zu werden“, warnt Markus Kerber, Chef des Industrieverbands BDI. Deutschland deckt ein Zehntel seines Gasbedarfs selbst.

Hintergrund: Die Regierung will der Förderung von Erdgas aus Schiefergestein, die in den USA in großem Stil läuft, einen Riegel vorschieben. „Diese Form des Frackings wird es nicht geben“, sagt Umweltministerin Barbara Hendricks. Beim Fracking presst man Gas mit Wasser, Sand und teils giftigen Chemikalien aus dem Gestein. Das Nein beim Schiefergas hat auch Folgen für die schon lange laufende Förderung von Gas aus Sandstein, vor allem in Niedersachsen.

Berlin verhindere „Investitionen in Milliardenhöhe“ und gefährde „Tausende Arbeitsplätze“, so Kerber in einem Brief ans Kanzleramt.

Das Sandsteingas liegt meist viel tiefer als das Schiefergas – daher war es lange kein Thema, dass man auch hier Risse ins Gestein presst, seit den 60er-Jahren und pannenfrei. Weil die Behörden wegen der Debatte um das Schiefergas-Fracking Genehmigungen verzögern, gehen die Mengen beim Sandsteingas zurück.

Mit Schiefergas könnte sich Deutschland theoretisch 13 Jahre lang unabhängig versorgen

Beim deutschen Schiefergas geht es um 1.300 Milliarden Kubikmeter, das entspricht dem Gesamtbedarf von 13 Jahren. Die Industrie will auch hier dem Fracking eine Chance geben, wenigstens im Pilotprojekt. Trinkwasserversorger wie Gelsenwasser im Ruhrgebiet stehen der Technologie nicht grundsätzlich ablehnend gegenüber. Sie arbeiten mit den Förderunternehmen sogar an möglichen Spielregeln.

Zudem reagiert der US-Konzern ExxonMobil auf die – von ihm als unbegründet angesehenen – Ängste, das Fracking in einigen Kilometer Tiefe könnte dem Grundwasser schaden. „Die Politik hat gefordert, dass wir bei den Flüssigkeiten das Gift rausbekommen“, sagt Deutschland-Chef Gernot Kalkoffen: „Das ist uns im Labor gelungen.“


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