Transportmittel

In Wellpappe gut aufgehoben


Verpackungen für Säureflaschen oder Gaskartuschen müssen einiges aushalten können

Grünstadt. Ein Druck auf den Knopf – schon saust der Karton aus knapp zwei Metern Höhe durch die Luft und knallt auf den harten Boden. Mit perfektem Ergebnis: Der Karton ist nicht gerissen, sein Inhalt hat den Fall unbeschädigt überstanden.

Simone Noack ist sichtlich zufrieden mit dem Ergebnis dieses Tests. Und das ist nur eine der Prüfungen, die der ganz harmlos aussehende Papp-Karton über sich ergehen lassen muss: Ingenieurin Noack arbeitet in der Qualitätskontrolle der Wellpappenfabrik in Grünstadt-Sausenheim.

Diese Firma mit 220 Mitarbeitern gilt als einer der deutschen Marktführer in Sachen Gefahrgut-Verpackungen aus Wellpappe.

„Ob Gaskartuschen, ob Ampullen und Glasflaschen mit Säuren oder Laugen: Wir entwickeln und produzieren für jedes Gefahrgut die richtige Transportverpackung“, betont Axel Muhl, Geschäftsführer des rheinlandpfälzischen Unternehmens.

Sichere Reise im Papp-Karton

Aber nicht nur Hersteller gefährlicher Waren setzen auf das in mehr als 70 Betriebsjahren erworbene Know-how: Oft reisen besonders empfindliche Dinge wie Glas, Keramik, Wein und Möbel, aber auch Zulieferteile für die AutomobilIndustrie in den sicheren Papp-Verpackungen.

Je nach Produkt laufen dann maßgeschneiderte Lösungen vom Band. Im von der Bundesanstalt für Materialprüfung anerkannten firmeneigenen Labor wird jeder neue Karton sorgfältig geprüft, ehe er in Serie produziert wird. Auch andere Unternehmen aus der papierverarbeitenden Industrie lassen ihre Verpackungen in dem Labor zertifizieren.

„Wir wollen die Belegschaft halten“

Vom schlichten Aussehen eines Kartons sollte man sich nicht täuschen lassen: Die Verpackungen aus Sausenheim können je nach Kundenwunsch hitzebeständig oder mit Antihaft-Eigenschaften versehen, feuchtigkeitsabweisend oder fettdicht sein. „Es gibt nichts, was man mit Wellpappe nicht gut verpacken könnte“ – davon ist Muhl überzeugt.

Trotzdem macht die aktuelle Wirtschaftskrise auch vor der Wellpappenfabrik nicht halt. 2008 hatte das Unternehmen noch rund 62 Millionen Quadratmeter Wellpappe produziert und einen Umsatz um die   50 Millionen Euro erwirtschaftet. Doch im ersten Halbjahr 2009 gingen die Aufträge um 20 Prozent zurück.

Finanzielle Entlastung verschafften da die Einführung von Kurzarbeit (ein Tag pro Woche, zunächst von März bis Juni) und sechs Wochen „Betriebsferien“, in denen statt zwei Schichten nur eine verlängerte Schicht gefahren wird.

Von Entlassungen ist keine Rede: „Wir haben eine gute und motivierte Belegschaft, die wir in jedem Fall halten wollen“, sagt Detlev Wessel, Prokurist und Mitglied der Geschäftsleitung, „wir hoffen, dass wir im Herbst wieder ganz aus der Kurzarbeit rauskommen.“ Wie geplant, beginnen gerade wieder zwei Jugendliche ihre Ausbildung – damit hat das Familienunternehmen insgesamt neun Azubis. Um ihre Zukunft ist Wessel nicht bange: „Solange in Deutschland etwas produziert wird, wird es auch verpackt – und solange haben diese Menschen auch einen sicheren Job.“

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