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In Outlet-Centern machen Modemarken mehr Umsatz als im Einzelhandel

Ochtrup. Zum Schnäppchenparadies geht es durch einen Torbogen. Dahinter reihen sich im Factory Outlet Center (FOC) Ochtrup auf 17.500 Quadratmetern Häuser im münsterländischen Baustil – mit Giebeln und Fachwerkoptik.

Hausnummern gibt es in dem künstlichen Einkaufsdorf, das im vergangenen Jahr zwei Millionen Kunden lockte, nicht. Stattdessen Markennamen: Seidensticker, Bugatti, Fossil, Liebeskind steht an den Häuserfronten. „Wir haben 65 Shops und 100 Marken. Auch die Pralinenmarke Lindt ist hier vertreten“, sagt Center-Manager Armin Wienker.

Bundesweit 180.000 Quadratmeter Fläche

Das Shoppingpflaster im nordwestlichen Münsterland ist eins von zwölf Outlet-Centern in Deutschland. Fern vom städtischen Einzelhandel, aber oft mit großem Einzugsgebiet, bieten auf bundesweit insgesamt 180.000 Quadratmetern Markenhersteller so ihre Ware um 30 bis 70 Prozent günstiger als im Einzelhandel an. „Das ist für uns ein wichtiger Vertriebsweg, um Retouren und nicht verkaufte Bestände an den Kunden zu bringen“, sagt Nico Kemmler vom Hemdenspezialisten Seidensticker. Nicht abgesetzte Ware können die Bielefelder so besser kontrollieren und ihre Marke vor Ramschverkäufen schützen.

Der 155 Quadratmeter große Seidensticker-Store in Ochtrup „ist in Ambiente und Service zurückgenommen“, so Kemmler. Man finde unter Umständen nicht immer jede Größe, auch keine Stücke aus der aktuellen Kollektion. Es gibt weniger Personal als im Vollpreisshop. Das macht die Rabatte möglich.

Für die Modemarken sind diese Einkaufswelten Umsatzbringer. Das zeigt eine Studie des Beratungsunternehmens Ecostra in Wiesbaden: Knapp 60 Prozent der befragten Firmen verdienen mit ihren Outlet-Centern mehr Geld als mit ihren Geschäften in den Innenstädten. „Das hat mit der Schnäppchenmentalität der Deutschen zu tun“, sagt Ecostra-Chef Joachim Will. Sie gäben gern Geld aus, seien aber auch sehr preisbewusst.

Deshalb sucht laut Experte Will jeder zweite europäische Markenhersteller in Deutschland einen Outlet-Standort. Seine Prognose: In den nächsten Jahren könnten noch zehn weitere Center entstehen.

Auch in Ochtrup merkt man das Interesse: „Wir haben eine starke Nachfrage nach Flächen“, sagt Thomas Dankbar, Geschäftsführer des FOC Ochtrup und Mehrheitseigner des Damenmodelabels Bianca. Deshalb wird bald erweitert. Ab 2018 kann auf weiteren 10.000 Quadratmetern geshoppt werden.

Gemanagt wird Ochtrup dann vom britischen FOC-Spezialisten McArthurGlen. Er führt auch die europäische Nummer eins unter den Outlets: das Designer-Outlet Roermond.


Europas erstes City-Outlet

Bad Münstereifel in NRW. Foto: dpa
Bad Münstereifel in NRW. Foto: dpa
  • In Bad Münstereifel in NRW hat 2014 europaweit das erste Outlet in einem Stadtkern eröffnet. Letztes Jahr kamen über zwei Millionen Besucher.
  • Besonders der Tourismus und die örtliche Gastronomie profitieren davon.
  • Dieses Jahr öffnen dort zwölf neue Stores. Darunter der Outdoor-Spezialist Jack Wolfskin.

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