Durchbruch beim Speichern von Ökostrom

In Mainz geht die weltweit größte Wasserstoff-Anlage in Betrieb

Gas-Profis von Linde: Projektleiter Christoph Stiller (rechts) mit Betriebsingenieur Kai Abkemeier. Foto: Sandro

Mainz. Strom aus Quellen wie Windkraft- und Solaranlagen gewinnt an Bedeutung. Erneuerbare Energien decken in Deutschland schon über 25 Prozent des Bedarfs. In zehn Jahren sollen es mindestens 40 Prozent sein; in Rheinland-Pfalz bis 2030 sogar 100 Prozent.

Für unser Stromnetz wird das zur Belastungsprobe: Die Energieerzeugung aus Wind und Sonne schwankt stark. Bei Sturm etwa entsteht ein Überangebot, Turbinen werden häufig abgeschaltet – sonst würde das Netz kollabieren. Neue Speichertechniken rücken deshalb in den Fokus der Forschung.

Wasserstoff gilt als Energieträger der Zukunft. Jetzt haben der Industriegase-Produzent Linde, der Technologie-Konzern Siemens, die Stadtwerke Mainz und die Hochschule RheinMain eine spezielle Anlage gestartet. Mithilfe von überschüssigem Ökostrom eines benachbarten Windparks erzeugt sie aus Wasser Wasserstoff – und damit viel Energie. Sie ist die weltgrößte Anlage ihrer Art. Drei sogenannte PEM-Elektrolyseure können binnen Millisekunden auf die Stromschübe von Wind- und Sonnenkraft reagieren.

Der Wasserstoff wird in Drucktanks gelagert, bei Bedarf kann die Energie genutzt werden. Dafür ist die Anlage ans Strom- und Gasnetz in Mainz angeschlossen. „Wir können im Jahr Wasserstoff für gut 2.000 Brennstoffzellen-Autos herstellen“, verdeutlicht Christoph Stiller, Projektleiter von Linde. 17 Millionen Euro kostet das Projekt, das der Bund unterstützt. „Die Technologie wird erstmals im Großmaßstab erprobt“, betont Stiller.

Wasserstoff eignet sich als Speicher wegen seiner hohen Energiedichte: In einem Kilogramm steckt fast dreimal so viel Energie wie in einem Kilo Benzin. Man kann das Gas für Strom, Wärme und Verkehr nutzen – und in der Industrie. Dort ist es ein Baustein zahlreicher Prozesse.


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