Hoffnung auf mehr Nachwuchs

In deutschen Städten steigt die Geburtenziffer


Berlin. Ob an Stammtischen oder in Talkshows: Zum Start des Bundestagswahlkampfs spricht ganz Deutschland mal wieder übers Kinderkriegen. Die einen wollen das Betreuungsgeld für Familien, die ihre Kinder nicht zur Kita schicken. Die anderen lehnen diese „Herdprämie“ ab. Schließlich ist staatliche Familienförderung bisher ohnehin keine Erfolgsgeschichte.

Frankreich steht besser da

So wurden seit Einführung des Elterngelds 2007 rund 28 Milliarden Euro ausgegeben. Bis zu 14 Monate werden Mama oder Papa nach der Geburt damit unterstützt. Die Geburtenziffer aber ist rückläufig. „Innerhalb eines Jahres ist die Zahl der Kinder pro Frau von durchschnittlich 1,39 auf 1,36 gesunken“, sagt Reiner Klingholz, Chef des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung.

Und doch entdeckt der Wissenschaftler in der Statistik Anzeichen der Hoffnung: „In städtischen Regionen, wo viele qualifizierte Frauen leben, ist die Geburtenziffer gestiegen.“

Ein Hinweis darauf, dass sich tatsächlich mehr berufstätige Frauen für Kinder entscheiden: Im Jahr 2008 standen nur 55 Prozent der neuen Elterngeldbezieherinnen vor der Geburt im Arbeitsleben. Mitte 2011 waren es immerhin 66 Prozent. „Ohne die Fördermaßnahmen hätte sich die Geburtenziffer wahrscheinlich noch schlechter entwickelt“, so Klingholz.

Die erhoffte Trendwende lässt freilich auf sich warten. „Das hat auch gesellschaftliche Gründe. Keine oder wenige Kinder zu haben, ist für uns zu einer sozialen Norm geworden.“

Dass es anders geht, zeigt Frankreich. Dort bekommt jede Frau statistisch zwei Kinder. „Schon in den 70er-Jahren unterstützte die Politik das Zwei-Verdiener-Modell“, so Klingholz. Es gebe wirksame Steueranreize und eine gute Betreuungssituation.

Deshalb wird die Bevölkerung Frankreichs in den nächsten 50 Jahren von 63 auf 74 Millionen wachsen. In Deutschland sinkt sie von 82 auf 65 Millionen – wenn wir nicht stärker gegensteuern.

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