Wer hätte das gedacht?

In der Wirtschaftskrise vor zehn Jahren hat der Staat richtig gehandelt

Die Finanzkrise vor zehn Jahren war die größte ökonomische Erschütterung seit den 1930er Jahren. Die Wirtschaft stand am Abgrund. Der Staat pumpte Milliarden in die Banken. AKTIV erklärt, warum das zwingend notwendig war.

Entschlossen: Die Politik hat in der Krise schnell gehandelt. Foto: Shutterstock

Entschlossen: Die Politik hat in der Krise schnell gehandelt. Foto: Shutterstock

Berlin/Stuttgart. Es war der Blick in den Abgrund: Banken brechen zusammen, Betriebe sind nicht mehr flüssig – und stehen, obwohl eigentlich kerngesund, vor dem Ruin!

Die große Finanzkrise – an die nur noch Fußballplätze, Umgehungsstraßen und Autos erinnern, die unser Staat damals in höchster Not mit Konjunkturpaketen und Abwrackprämie finanzierte. Und was bei vielen bis heute auf Unverständnis stößt: Er pumpte viel Geld in die Banken.

So fing es vor zehn Jahren an: Am 9. August 2007 schießt der sogenannte Interbank-Zinssatz in die Höhe. Totale Verunsicherung – erst in der Banken-Welt, dann auch in der Realwirtschaft: in der Spitze bundesweit 1,5 Millionen Kurzarbeiter, die meisten komplett zu Hause. Zur Job-Angst kommt die Angst ums Ersparte – mit einem dramatischen Auftritt („Ihre Einlagen sind sicher“) verhindern Kanzlerin und Finanzminister eine Massenpanik.

Was als Problem auf dem US-Immobilienmarkt begonnen hat, wird zur größten ökonomischen Erschütterung seit den 1930er Jahren. Und die Bundesregierung handelt: Im Oktober 2008 beschließt sie ein mit unfassbaren 480 Milliarden Euro dotiertes Rettungspaket für die Banken. Insgesamt steigen die Staatsschulden durch die Krise von 64 auf 81 Prozent der Wirtschaftsleistung.

Geld der Steuerzahler – für Banken, die sich verzockt hatten. „Das mag man als ungerecht empfinden“, sagt Hans-Peter Burghof, Professor für Bankwirtschaft und Finanzdienstleistungen an der Uni Hohenheim in Stuttgart. „Doch die Politik hat genau richtig gehandelt.“

Im Rückblick ist sich der Experte sicher: „Viele Menschen hätten ihren Job verloren, wären die Banken nicht mit dieser Konsequenz vor dem Niedergang bewahrt worden.“ Der Zahlungsverkehr wäre zum Erliegen gekommen – und damit der Warenhandel. Burghof lobt die flexible Reaktion der Verantwortlichen: „Damit kam Deutschland besser aus der Krise als viele andere Länder.“

Seit damals hat die Politik den Banken weitreichende Reformen verordnet. Sie werden nun strenger kontrolliert und müssen für Kredite deutlich höhere Eigenkapital-Polster nachweisen. Das ist eingebettet in internationale Abkommen.

Nach einem historischen Rezessionsjahr 2009 ging es mit der Wirtschaft wieder aufwärts. Das Wachstum stabilisierte sich – und die Schuldenquote sank bis 2016 immerhin von 81 auf 68 Prozent.


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