Emissionshandel

„In der Tendenz wird Energie teurer"


2013 schaltet die EU den Klimahandel scharf ─ CO2-Emissionsrechte werden knapp

Energie und Klimaschutz: Das ist das Hauptthema von Dominik Greinacher und seinen zwölf Partnern in der renommierten Berliner Kanzlei Scholtka & Partner. Sie haben alle gut zu tun – denn Energie-Unternehmen und energie­intensiv produzierende Firmen sehen eine Kostenlawine auf sich zurollen.

AKTIV: Wobei brauchen momentan Unternehmen am ehesten Ihre Hilfe?

Greinacher: Zum einen sind das Fragen der Zuteilung der „CO2-Zertifikate“ – die Fabriken das Recht geben, eine bestimmte Menge des Treibhausgases Kohlendioxid auszustoßen. Zum anderen kämpfen die Firmen mit den komplizierten Vertragsgestaltungen zur Abwicklung des EU-Emissionsrechtehandels.

AKTIV: Wo liegt denn das Kernproblem?

Greinacher: Wer CO2 emittiert, egal ob durch Verfeuern fossiler Brennstoffe oder für chemische Prozesse, hat seit dem Start des Systems 2005 Emissionsrechte kostenlos zugeteilt bekommen. Das geschah anhand eines Durchschnittswerts aus der Vergangenheit. Aber zu Beginn des kommenden Jahres wird das System scharf geschaltet. Und die Betriebe müssen Papiere zukaufen.

AKTIV: Können sie das denn nicht auf ihre Preise aufschlagen?

Greinacher: Energie-Produzenten schon, schließlich ist der deutsche Strommarkt nicht sehr wettbewerbsintensiv. Aber für andere, wie Chemie-, Stahl- und Zementhersteller, wird das problematisch. Sie müssen gegen außereuropäische Firmen bestehen, die keine Zertifikate kaufen müssen. Schließlich ist ein globales Abkommen zum Klimaschutz in weiter Ferne.

AKTIV: Wie hoch sind die Kos­ten im Handel?

Greinacher: Zurzeit kostet ein Zertifikat, das zur Emission von einer Tonne CO2 berechtigt, etwa 8 Euro.

AKTIV: Das ist nicht besonders teuer – vor einem Jahr waren es noch 17 Euro.

Greinacher: Aber die EU verknappt die Zahl der Ausstoßrechte im nächsten Jahr um 5 Prozent und danach Jahr für Jahr um weitere knapp 2 Prozent. Darüber hinaus gibt es Versuche, durch eine weitere kräftige Verknappung den Preis in die Höhe zu treiben – schließlich will der Staat mit den Einnahmen einen Teil der Energiewende finanzieren.

Wie auch immer das ausgeht – in der Tendenz wird Energie teurer, und für viele Unternehmen wird das zu einem erheblichen Problem. Zumal sie neben den Zertifikate-Kos­ten ja noch die Umlagen aus dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) tragen müssen.

AKTIV: Da bleibt den energie­intensiven Unternehmen nur sparen, sparen, sparen?

Greinacher: Wenn es die Verfahren hergeben. Sie sind technisch aber oft schon ausgereizt.

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