Zuwanderung

In Bayern daheim


Zuwanderer finden in M+E-Unternehmen interessante Jobs

Altötting. Roman Schukin weiß, dass man in Köln kein Weißbier bestellt und in bayerischen Biergärten kein Kölsch. Diesen Unterschied hat der junge Mann aus Russland schnell erkannt.

In seiner Ausbildung als Gieße­reimechaniker und der anschließenden Weiterbildung lernte er die deutschen Regionen mit ihren Eigenarten kennen. Auch mit der Sprache kommt er gut zurecht. Obwohl „Bitte“ und „Danke“ die einzigen deutschen Worte waren, die er anfangs kannte.

Vom Schwarzen Meer in den Wallfahrtsort

Schukin (24), Mitarbeiter der Esterer Gießerei in Altötting, stammt aus der Nähe von Sotschi, einem Badeort an der Schwarzmeer-Küste. Die russische Familie hatte Verwandte in Oberbayern. So zog Schukin mit seinen Eltern erst nach Töging, später in den Wallfahrtsort Altötting.

Zuwanderer (siehe auch Beispiele unten) leisten einen wichtigen Beitrag, um den Fachkräftemangel zu lindern – der auch in der bayerischen Metall- und Elektro-Industrie spürbar wird.

Schukin ist seit elf Jahren in Deutschland. Es steht für Migranten hoch im Kurs: Letztes Jahr wanderten 684.000 Ausländer nach Deutschland zu – 77.000 oder 13 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Und das liegt nicht nur an der schönen Natur. Unser Land kam bisher gut durch die Finanzkrise, bietet Sicherheit und Wohlstand. Etwa 16 Millionen Menschen, knapp ein Fünftel der Bevölkerung der Bundesrepublik, haben wie Schukin einen sogenannten Migrationshintergrund.

So nennen die Statistiker Menschen, die nach 1950 zugewandert sind oder mindestens ein Elternteil haben, für den dies zutrifft. Allein in Bayern leben derzeit 2,43 Millionen Migranten, so das Statistische Landesamt.

Schukin, Sohn einer deutschstämmigen Mutter, macht vor, wie das neue Leben fernab der Heimat gelingt. Unter anderem mit Sport. Ein Basketball-Trainer aus der Regionalliga entdeckte damals das Talent des Jungen. Im Verein fand er schnell Freunde. „Meine Mannschaftskameraden halfen mir, die Sprache schnell zu lernen“, sagt Schukin.

„Gute Sprachkenntnisse sind eine entscheidende Voraussetzung für einen guten Start“, so Hans Topol. Der Geschäftsführer der Esterer Gießerei weiß, wovon er spricht. Mehr als die Hälfte seiner rund 150 Mitarbeiter stammt aus dem Ausland.

Meisterbrief mit Auszeichnung

In dem Betrieb machte Schukin seine Ausbildung zum Gießereimechaniker und bildete sich anschließend weiter. In diesem Frühjahr hat er seinen Meisterbrief mit Auszeichnung in Empfang genommen.

Jetzt leitet der junge Vater aus Russland den Schmelzbetrieb der Gießerei und wacht über ein Dutzend Mitarbeiter. „Ein gutes Beispiel für eine gelungene Integration“, sagt Patrick Topol, technischer Projektleiter von Esterer. Schukin, der sein Leben und seine Arbeit in Deutschland schätzt, freut sich: „Ein schöner Job.“

Texte: Friederike Storz

Schrebergarten und Tagesschau

Anton Pasternak steigt bei Schmauser auf

Schwabach. An Festtagen hat er schon immer Kartoffelsalat gegessen: „Wir pflegten die deutschen Bräuche“, erzählt Anton Pasternak (44). Sein früheres Zuhause liegt 5.000 Kilometer entfernt im Ural.

Pasternak kam nach der Wende als Spätaussiedler nach Deutschland. „Der Anfang war schwierig“, erinnert er sich. Zunächst lernte er Deutsch. Der Kurs sollte sechs Monate dauern. Nach einem Vierteljahr brach Pasternak ab – er hatte einen Job gefunden. „Den Rest lernte ich von Arbeitskollegen.“

Bei der Schmauser Precision GmbH in Schwabach nahe Nürnberg begann er als Maschinen-Befüller. In der Spitzenschleiferei legte er Schafte – lange Drahtstücke – in Maschinen ein. Er hat sich zum Maschinen-Einsteller hochgearbeitet und überwacht bis zu 15 Spitzenschleifgeräte.

Pasternak ist zufrieden mit sich und seiner Familie. Sein Sohn macht demnächst Abitur. „Hier habe ich alles, was ich in Russland nicht hatte: Ein sicheres Gehalt, eine schöne Wohnung“, sagt der Mann, der die Ordnung und Pünktlichkeit der Deutschen schätzt. Am Feierabend gießt er die Beete im Schrebergarten oder spielt Fußball mit Kollegen. Er guckt die Tagesschau, russische Nachrichten hört er nur manchmal im Internet.

Dorfkirmes und Skifahren

Jean Khoury entwirft Achsen für SAF Holland

Bessenbach. „Mahlzeit!“ Der Kantinengruß geht Jean Khoury leicht über die Lippen. Der Konstruktionsleiter des Achsen-Herstellers SAF Holland in Bessenbach ist Libanese. Er hat in Deutschland Maschinenbau studiert. Vor 33 Jahren startete er hier aus dem Nichts.

In Beirut tobte der Bürgerkrieg und schnitt ihn von seinen Geschäftspartnern ab. „Das war trotz allem mein Glück“, sagt der 54-Jährige. Khoury entschied sich für ein Leben in Deutschland. Er ließ sich in der Nähe von Aschaffenburg nieder, nahm eine Stelle als Jung-Ingenieur an und heiratete eine deutsche Frau.

Mit dem kalten Winter hat er sich angefreundet und Skifahren gelernt. Sogar bei der Dorfkirmes macht der Ingenieur mit.

Bei alldem hat er seine Eigenart als Libanese behalten. „Wir gehen offen auf Menschen zu.“ Das hat ihm schon oft geholfen. „Es braucht Zeit, sich zu beweisen“, sagt er. „Man muss erst Sprache und Kultur verstehen.“

 

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