Wohnen

Immobilien: Der Staat treibt Mieten und Kaufpreise in die Höhe

Berlin. In Deutschland werden immer mehr Wohnungen gebaut. Allein im vergangenen Jahr kamen 245.000 dazu – 14 Prozent mehr als noch 2013. Es war der vierte kräftige Anstieg in Folge, so das Statistische Bundesamt. Das ist aber auch nötig. Denn die Nachfrage steigt, vor allem in den Metropolen und Universitätsstädten.

Mehr Angebot heißt aber noch nicht, dass Wohnen bezahlbarer wird. Viele Bundesbürger müssen für ihre Bleibe immer tiefer in die Tasche greifen. Und davon profitieren nicht etwa nur Bau-Investoren, sondern auch die öffentlichen Kassen: „Bund, Länder und Kommunen verteuern das Wohnen durch Gesetze, Auflagen und Steuern“, betont Konstantin Kholodilin vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin.

Besonders gut zeigt das die Grunderwerbsteuer. Die muss jeder Immobilienkäufer an die Länder abdrücken. Sie dürfen seit 2006 den Satz selbst festlegen – und langen kräftig zu. Galten damals bundesweit 3,5 Prozent des Kaufpreises, sind es heute bis zu 6,5 Prozent (in Brandenburg, Nordrhein-Westfalen, im Saarland und in Schleswig-Holstein). Die Einnahmen aus dieser Steuer sind seit 2008 um 60 Prozent gestiegen.

Ein weiterer wichtiger Punkt aus Sicht des Experten: zu viel Baubürokratie in den Ämtern. „Da laufen Prozesse viel zu langsam“, so Kholodilin. „Wenn das effektiver verliefe, würde sich der Markt etwas entspannen, und das hätte auch Einfluss auf die Preise.“

Auch wenn es paradox klingt – der soziale Wohnungsbau verteuert Mieten ebenfalls. Denn Kommunen brummen Investoren bei Neubauten oft einen bestimmten Anteil an Sozialwohnungen auf. Das treibt die anderen Mieten im Projekt. „Das zahlt dann der Durchschnittsverdiener, also der, der zu wenig Geld für eine eigene Immobilie hat und zu viel für eine Sozialwohnung“, erklärt Kholodilin.

Wer dagegen baut, muss alle möglichen Auflagen erfüllen: in Sachen Energie, Brandschutz, Schallschutz, Barrierefreiheit und, und, und. „Der Staat setzt dabei die Hürden immer höher“, beklagt das Verbändebündnis Wohnungsbau. Auch deshalb seien bei einem beispielhaften Mehrfamilienhaus in Ballungsgebieten die Neubaukosten pro Quadratmeter Wohnfläche seit dem Jahr 2000 um 40 Prozent gestiegen.

Trotzdem ist die Nachfrage ungebrochen hoch. Vor allem wegen der extrem niedrigen Zinsen: Immer mehr Privatanleger entscheiden sich für ein Eigenheim. Zudem drängen fortlaufend ausländische Investoren auf den Markt, für die deutsche Immobilien noch als verhältnismäßig sichere Anlage gelten.


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Normalerweise ist er die größte Anschaffung des Lebens: der Kauf einer eigenen Immobilie. Es gilt also, sich vor dem Gang zum Notar so gut wie nur irgend möglich zu informieren – sowohl, was das Objekt selbst und seine Lage betrifft, als auch über die Baufinanzierung.

aktualisiert am 27.09.2017

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