Innovation

Immer vernetzt


Was BMW, Audi und bayerische Auto-Zulieferer fürs sichere und unterhaltsame Fahren tun

München/Ingolstadt/Regensburg/Fridolfing/Hallstadt. Das Auto gibt Vollgas auf der Daten-Autobahn: Fahrer und Fahrzeug sind stets auf Empfang – in der Stadt, auf der Landstraße und im Fernverkehr. Schnelle Datenübertragung und Elektronik machen es möglich.

Die kleinen Helfer sorgen für Unterhaltung während der Fahrt und schaffen Zugriff auf Nachrichten aus dem Internet. Zugleich machen sie das Reisen sicherer.

Stau-Warnung an den Hintermann

Automobil-Hersteller wie Audi und BMW in Bayern bauen immer mehr Kommunikations- und Sicherheitstechnik in ihre Modelle ein. Zulieferer im Freistaat steuern zahlreiche Bausteine dazu bei.

„Vorsicht Gegenverkehr!“, meldet etwa der Ultraschall-Sensor, und das Auto schaltet in der Dunkelheit auf Abblendlicht. Oder: Das Navi ortet einen Stau hinter der nächsten Kurve, gibt die Information an die Automatik weiter – und die schaltet daraufhin einen Gang zurück. Nachfolgende Fahrzeuge werden per Funk verständigt.

Durch den wachsenden Einsatz von Elektronik im Auto könnten bis 2025 in Deutschland 40.000 neue Jobs entstehen. Das ergab eine Umfrage der Unternehmensberatung A.T. Kearney. Michael Römer, der Leiter der Studie: „Da die Autos immer mehr Funktionen haben, steigt der Anteil an Elektronik und Software.

Vor allem die Autohersteller selbst brauchen zusätzliche Fachkräfte, um die Vernetzung voranzutreiben. Etwa über die Plattform „connected drive“ von BMW, mit der man twittern, E-Mails empfangen, einen iPod anschließen und Informationen über Städte oder Museen abrufen kann. Dazu kommen Assistenz-Systeme, die Parkplätze finden, das Queren von Kreuzungen überwachen oder vor Fußgängern warnen.

Geschwindigkeit für die „grüne Welle“

Viel Entwicklungsarbeit steckt auch in „Audi-connect“, in der Audi seine Angebote zum vernetzten Fahrzeug bündelt. Fahrer und Wagen verständigen sich mit „Apps“, Mini-Programmen für das intelligente Handy.

Das System speichert Ziele aus der Suchmaschine Google, empfängt Verkehrsinformationen in Echtzeit – und zeigt die optimale Geschwindigkeit an, mit welcher der Fahrer im Stadtverkehr von der „grünen Welle“ profitiert.

Auch bei den Zulieferern entstehen neue Jobs. So hat die Brose Fahrzeugteile GmbH im Werk Hallstadt bei Bamberg zahlreiche Stellen zu besetzen, sagt Josef Schriek, der Leiter der Entwicklung. Dort entstehen unter anderem Elektronik-Komponenten für mehr Komfort. Eine Neuentwicklung: eine berührungslose Steuerung, die die Heckklappe öffnet und schließt.

Je mehr Informationen ins Fahrzeug fließen, desto wichtiger wird die Auswahl. „Würde man alle durchlassen, wäre selbst der routinierteste Berufskraftfahrer überfordert“, heißt es beim Automobil-Zulieferer Conti. Der Konzern entwickelt in Regensburg Elektronik für das Darstellen und Verwalten von Informationen im Fahrzeug.

Mit dem Antennen-Hersteller Kathrein in Rosenheim baut Conti eine schlaue Antenne, die sämtliche Funkempfänger und -sender zusammenfasst. So genügt zum Beispiel ein Positionssignal für

Notruf und Navigation.

Halbleiter sind die Grundlage

Ohne schnelle Datenübertragung geht es nicht. Die Rosenberger GmbH & Co. KG in Fridolfing in Oberbayern hat dafür die richtigen Produkte. Sie stellt Steckverbinder zur Datenübertragung in Hoch­geschwindigkeit her. „Seit Ende der 90er-Jahre haben sich die Automobil-Produkte zu einem bedeutenden Umsatzträger entwickelt“, sagt Fritz Hermann, der Marketingleiter. Ein wachsendes Geschäftsfeld sind Steckverbinder für Hybrid- und Elektrofahrzeuge. Sie werden in erster Linie für das La­den eingesetzt.

Damit ein Auto vernetzt werden kann, braucht es viele Computerchips. „Halbleiter sind die Grundlage der elektronischen Innovation“, sagt Jochen Hanebeck, Leiter der Automobil-Elektronik des Chip-Herstellers Infineon in Neubiberg bei München.

„Ihr Potenzial im Motor sowie bei Sicherheits- und Komfort-Anwendungen ist längst nicht ausgeschöpft“, erklärt Hanebeck. „Ohne Chips gäbe es weder Hybrid- noch Elektrofahrzeuge.“

INFO Das Auto von morgen

Head-up-Display: Alles, was der Mensch am Steuer wissen muss, zum Beispiel Geschwindigkeit, Tempolimit oder Hinweise zur Strecke, wird vor ihm auf der Windschutzscheibe eingeblendet (siehe Bildergalerie). Der Fahrer kann die Informationen lesen und behält trotzdem die Straße im Blick.

Car-to-Car: Die Fahrzeuge sind per Funk miteinander verbunden und tauschen Daten aus, die für die Verkehrssicherheit wichtig sind. Ein Auto kann seine Nachfolger beispielsweise vor Staus, Unfällen oder Glatteis warnen.

Car-to-X: Steht für die Kommunikation zwischen Fahrzeug und seiner Umgebung, etwa Ampeln oder elektronischen Anzeigen von Schildern.

LTE: Long Term Evolution – ein neuer Mobilfunk-Standard, um Online-Informationen zu übermitteln. Er soll die bisherige UMTS-Technik ablösen und ist fünfmal schneller als das heutige Netz.

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