Forschung

Im neuen Ideen-Labor von Clariant entstehen Komponenten aus der Natur

Frankfurt. Mit Kosmetik nimmt es Henrike Neuhoff sehr genau: Zieht die Lotion gut in die Haut ein? Lässt das Shampoo die Haare glänzen, ist die Fußcreme auch nicht zu fettig? „Das gehört zu meinem Beruf“, sagt die Forscherin, die beim Chemiekonzern Clariant die Körperpflege voranbringt. Sie ist eine von 500 Wissenschaftlern im 100 Millionen Euro teuren Innovations-Center (CIC), das im Industriepark Höchst in Frankfurt angesiedelt ist.

Das Unternehmen will hier umweltfreundliche Stoffe auf natürlicher Grundlage entwickeln. „Bei Kosmetik ist das ein ganz eindeutiger Trend“, erzählt Neuhoff, „nachhaltige Produkte sind gefragt.“ Ihre Kunden sind bekannte Kosmetik-Hersteller, die mit Innovationen punkten wollen. Die liefert Clariant: „grüne“ Emulgatoren, basierend auf Zuckern, pflanzliche Öle und Wachse für Cremes und Lippenstifte. Mehr als 300 verschiedene Substanzen hat Clariant im Angebot, auch für Haut und Haar von Afrikanern oder Asiaten. Was Neuhoff noch sucht? „Ein Haarwuchsmittel, das tatsächlich wirkt.“

Ein Hausanstrich, der Energie erzeugen kann

Auf einer anderen Etage konzentriert sich Christoph Kayser auf Prozesse, die sich tief in der Erde abspielen. Das Spezialgebiet des Chemikers ist die Ölförderung: „Die Bohrungen gehen immer tiefer, wir haben es mit sehr hohen Temperaturen zu tun.“ Sein Team entwickelt spezielle Flüssigkeiten, mit denen das sogenannte „Bohrklein“ an die Oberfläche befördert wird. Kayser: „Beispielsweise müssen die Teilchen in der Flüssigkeit schweben, diese wiederum darf nicht im Gestein verschwinden.“ Zudem forscht er an umweltfreundlichen Zement-Zusätzen, um Stahlrohre in den Bohrlöchern zu befestigen: „Der Zement muss an Ton, Salz und jedem Gestein, etwa Sandstein, gleich gut haften.“

Ein paar Räume weiter dreht sich alles um farbgebende Subs­tanzen für Autolacke, Anstriche, Kunststoffe, Verpackungen oder Displays. Gefragt ist, was lange hält, stark glänzt und sich leicht verarbeiten lässt. „Wir entwickeln laufend neue Verfahren und Synthesewege für eine schnellere und kostengünstigere Herstellung“, so Steffen Hofacker, Leiter Farbenforschung.

Doch die Änderung einer Rezeptur ist knifflig: „Wenn man zum Beispiel Pigmente in Wasser statt in Lösemittel einrührt, muss man erst ihre Oberfläche verändern.“ Das kann Monate, aber auch Jahre dauern. Der Trend der Zukunft? „Farbgebende Substanzen, die Ästhetik mit Funktion verbinden“, verrät Hofacker. Denkbar wären Hausanstriche für Südeuropa, die Wärme absorbieren und über Umwege in Energie umwandeln.

Was auch immer an Neuheiten aus den Laboren kommt, es wird sofort analysiert. „Wir geben den Forschern umgehend eine Rückmeldung über ihr Produkt“, erklärt Dirk Böttger, der die Analytik leitet. Die kurzen Wege beschleunigen den Fortschritt ungemein: „Alle, die an einer Ideen-Kette beteiligt sind, arbeiten hier direkt zusammen“, freut sich Forschungsleiter Johannes Benkhoff. Viele lästige Telefonate, Konferenzen und Meetings entfielen: „Der direkte Austausch im Aufzug oder beim Kaffee ist enorm effektiv.“ Muss er auch. Denn das Ziel des Konzerns ist ehrgeizig. Benkhoff: „Wir wollen künftig 1 bis 2 Prozent unseres Wachstums über Innovationen erreichen.“


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