Leitartikel

Im Jahr eins des Mindestlohns

AKTIV-Chefredakteur Ulrich von Lampe. Foto: Roth

Irrwege beginnen verlockend – gerade das macht sie so gefährlich. Der Marsch ins aktuelle griechische Schuldenchaos begann 2003 mit ein paar tollen Jahren Wohlstandszuwachs. Und vor dem Crash der US-Hypothekenbanken, der 2008 die Weltwirtschaft in die Krise stürzte, ging für Millionen Amerikaner der Traum vom billigen Eigenheim in Erfüllung.

Seit Anfang 2015 schlendert auch unser Land munter und unbesorgt in eine fragwürdige Richtung. Es hat per Gesetz für rund vier Millionen Einfachjobs eine höhere Vergütung festgelegt, als der Markt eigentlich hergibt. Und nachdem im Januar die Arbeitslosigkeit und auch die Verbraucherpreise sogar niedriger lagen als vor Jahresfrist, triumphierten die Architekten des Mindestlohns: Schaut her, geht doch, er schadet nicht!

Das ist Unfug. Logischerweise reagieren Firmen, die auf Dauer nicht draufzahlen wollen oder können, entweder mit Personalabbau oder mit Preiserhöhungen. Doch die Statistik wird von zwei Sondereffekten überlagert, die beide nicht von Dauer sind: dem niedrigen Ölpreis und den niedrigen Zinsen.

Wäre das anders, dieser rabiate Eingriff in die Lohnfindung würde schon jetzt Ärger machen. Die Taxi-, Friseur- und Brotpreise würden aufgeregter verfolgt. Und die Umfragen, wonach die Arbeitskosten Investitionen bremsen, ließen die Stimmung vielleicht schon wieder in Richtung Alarm umschlagen.

Es ist also ein glückliches Timing. Aber es bleibt ein Irrweg. Die Einstellungsbereitschaft in Deutschland wird von jeher durch rigiden Kündigungsschutz gebremst. Nun kommt das ebenfalls besonders harte Lohndiktat hinzu – das hierzulande mehr Jobs betrifft als anderswo.


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