Wachstum

Im Ausland vorn bleiben


Absatzmarkt für viele bayerische Unternehmen ist die ganze Welt

Regensburg/Nürnberg. Es gibt Lichtblicke am dunklen Konjunkturhimmel: Zuletzt ist der Export der deutschen Metall- und Elektro-Industrie wieder leicht gestiegen. Auch die verbesserten Auftragseingänge und die erhöhte Produktion deuten auf eine Stabilisierung hin. Doch bis die starken Rückgänge seit Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise aufgeholt sind, kann es noch Jahre dauern.

Den Kopf lässt man in den baye­rischen M+E-Betrieben trotzdem nicht hängen. Im Gegenteil: In der Krise suchen die Unternehmen neue Chancen im Ausland.

Die Maschinenfabrik Reinhausen zum Beispiel reagiert auf ganz besondere Weise auf den Sparzwang ihrer Kunden. Da US-Firmen ihre Budgets für Reisen gekürzt haben, ist das Regensburger Unternehmen mit seinen Produkten einfach zu ihnen gekommen. Geschäftsführer Nicolas Maier-Scheubeck nennt den Grund: „Gerade in der Krise ist es wichtig, näher an die Kunden he­ranzugehen.“

„Jede Menge Anfragen und konkrete Aufträge“

Drei Monate lang tourte der Hersteller von Stufenschaltern für Regel-Transformatoren in einem auffälligen Riesen-Truck 15.000 Kilometer durch 24 Bundesstaaten der USA. Mit Erfolg: Der gemietete Speziallaster zog mehr als 4.000 Besucher an. Maier-Scheubeck freut sich: „Es gab jede Menge Anfragen und sogar konkrete Aufträge.“

In den USA erzielt die Maschinenfabrik Reinhausen, die 2.500 Mitarbeiter beschäftigt, rund 12 Prozent des gesamten Umsatzes – etwas mehr als in Deutschland. Die größten Absatzmärkte sind China und Indien. Mit steigender Tendenz. Auch in der Krise profitiert das Unternehmen  von  drei  eigenen  Werken in diesen asiatischen Ländern, in denen die Wirtschaft noch wächst. „Das stabilisiert unser Geschäft“, sagt Maier-Scheubeck.

Der Export in die ganze Welt stimmt ihn zuversichtlich: „Wenn es mit der Konjunktur wieder aufwärts geht, werden wir davon überdurchschnittlich profitieren.“

Davon ist auch Peter Muhr, Geschäftsführer von Bühler Motor in Nürnberg, überzeugt. „Wir sind international gut aufgestellt, produzieren und entwickeln an acht Standorten auf drei Kontinenten und sind so ganz nah an unseren Kunden.“

Die Medizintechnik wird ausgebaut

1.100 Mitarbeiter beschäftigt der Hersteller kleiner Elektromotoren und Pumpen. Fast drei Viertel des Geschäfts entfallen auf die derzeit gebeutelte Auto-Industrie.

Muhr ist dennoch nicht bange: „Wir haben einige vielversprechende Projekte – sowohl für neue Fahrzeugmodelle als auch für eigene neue Produkte.“ Außerdem baut Bühler Motor das noch kleine Geschäft mit der Medizintechnik aus. Anfang 2011 will das Unternehmen in diesem Segment international richtig durchstarten.

Auch die fränkische Firma Eisen, Hersteller von Spitzern für Bleistifte und für teure Kosmetikstifte, verfolgt trotz Flaute Expansionspläne. „Wir denken über eine Endmontage in einigen unserer Absatzmärkten nach“, erzählt Christian Eisen, der Geschäftsführer des Familienunternehmens in Baiersdorf.

Vor allem in Lateinamerika sieht er Wachstumschancen. „Mit unseren Produkten aus Deutschland sind wir dort aber zu teuer“, berichtet Eisen.

Auch Ware aus dem eigenen chinesischen Werk hilft auf diesen Märkten nicht weiter. Denn auf Güter aus China müssen in Lateinamerika bis zu 300 Prozent Importzölle gezahlt werden. Trotz solcher Hindernisse erzielt das Unternehmen mit insgesamt 180 Mitarbeitern mehr als acht Zehntel seines Umsatzes im Ausland.

Eisen ist ein Paradebeispiel dafür, dass eine Konzentration allein auf den heimischen Markt fehlschlagen würde. „Unser Geschäft lohnt sich nur mit ganz hohen Stückzahlen“, sagt Christian Eisen. 80 bis 90 Millionen Spitzer verkauft das Unternehmen im Jahr. Zum Vergleich: Deutschland hat rund 82 Millionen Einwohner. Für Eisen steht deshalb fest: „Wir brauchen die Welt als Absatzmarkt.“

„Wir sind Weltspitze“

Mehr Selbstvertrauen bekäme den Deutschen gut – auch wegen unserer Exportkraft. Das meint Anton Börner, Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel und Dienstleistungen (BGA).

AKTIV: Unsere Industrie leidet schwer unter der weltweiten Konjunkturkrise. War es ein Fehler so stark auf den Export zu setzen?

Börner: Nein, davon kann keine Rede sein. Deutschland ist Exportweltmeister, weil unsere Unternehmen so gut sind und sich im internationalen Wettbewerb immer wieder durchsetzen.

AKTIV: Aber wäre es jetzt nicht sinnvoller, die Kräfte auf den heimischen Markt zu konzentrieren?

Börner: Auf keinen Fall. Die deutsche Industrie bietet zahlreiche innovative Spezialprodukte an. Der Heimatmarkt allein wäre dafür viel zu klein. Es wäre zudem sogar unsozial, den Export ge­zielt zurückzuschrauben.

AKTIV: Warum?

Börner: Weil wir so andere Länder von unseren guten Ideen ausschließen würden. Und manche Technik wird im Ausland weiterentwickelt. Davon können wir dann auch wieder profitieren.

AKTIV: Aber die Konkurrenz wird immer stärker, besonders in China.

Börner: Ja. Doch wir sind Weltspitze und dürfen ruhig mehr Selbstvertrauen haben. Denn die deutsche Wirtschaft hat weiterhin hervorragende Chancen.

AKTIV: Was macht Sie so zuversichtlich?

Börner: Auf wichtigen Feldern sind wir mit Innovationen ganz vorn dabei. Ich nenne zum Beispiel nur den Klimaschutz und die Medizintechnik.

Motor Indien: Wirtschaftswachstum auch in der Krise

Straßen, Flughäfen, Telekommunikation, Abwasseranlagen: In Indien ist der Investitionsbedarf für die Infrastruktur gewaltig. Das eröffnet der bayerischen Industrie große Chancen. Schon in den vergangenen Jahren ist Indien zu einem immer wichtigeren Markt für den weiß-blauen Freistaat aufgestiegen:

  • Seit 2003 nahm der Export auf den Subkontinent um mehr als die Hälfte auf 1,34 Milliarden Euro zu.
  • Mittlerweile ist Indien der viertgrößte Handelspartner Bayerns in Asien.
  • Und die Aussichten für die Wirtschaft in dem Land mit über 1 Milliarde Menschen bleiben gut: Anand Sharma, Minister für In­dustrie und Handel, erwartet für  2009 ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (Wert aller erwirtschafteten Güter und Dienstleis­tungen) von mehr als 7 Prozent.

„Ich hoffe, dass wir 2011 wieder bei einem Plus von 9 Prozent sind“, sagte er vor kurzem auf einem Kongress in München. Zuletzt hatte Indien 2007 mit 9,5 Prozent eine so hohe Rate erzielt. 2008 verlangsamte sich das Wachstum auf 6,7 Prozent.

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