Erfolg für Airbus

Im Aufwind


Vom Airbus-Erfolg profitieren auch die Zuliefer-Firmen aus Bayern

Aufträge über 730 Maschinen im Wert von rund 72 Milliarden US-Dollar (gut 50 Milliarden Euro): Dem Flugzeugbauer Airbus bescherte dieser Sommer in Le Bourget, auf der weltgrößten Branchen-Messe vor den Toren von Paris, einen neuen Rekord. Noch nie zuvor hatte ein Hersteller während des einwöchigen Treffens mehr Aufträge an Land gezogen. Das sichert Jobs bei Airbus und bei seinen vielen Zulieferern.

„Le Bourget 2011 ist eine starke Bestätigung unserer Produktstrategie“, sagt Airbus-Chef Tom Enders. Der Deutsche ist in diesen Tagen bester Laune – auch weil die Auftragswelle im Anschluss an die Messe nicht abebbte. Qantas, Lufthansa, American Airlines: Sie alle gingen bei Airbus auf Shopping-Tour. Insgesamt hat das Unternehmen nun von Januar bis August Aufträge über mehr als 1.000 Flugzeuge erhalten.

Spritsparmodell kommt sehr gut an

Dem Hersteller garantieren die vollen Auftragsbücher einen Haufen Arbeit in seinen Werken in Frankreich, Spanien und Norddeutschland. Aber auch viele Beschäftigte der bayerischen Luftfahrt-Industrie profitieren davon. Der Freistaat beheimatet zahlreiche Standorte von Zulieferer-Firmen. Ohne deren Produkte könnte kein Airbus abheben (siehe unten).

Vor allem die neue „neo“-Variante der A320-Famile hat sich als Umsatzgarant entpuppt. „Ich muss zugeben, dass ich die Marktnachfrage nach der neo stark unterschätzt habe“, sagt Airbus-Mann Enders. Modelle mit der spritsparenden „New Engine Option“ – dafür steht neo – haben bislang für rund 80 Prozent der Aufträge gesorgt.

Die neuen Flugzeuge verbrauchen 15 Prozent weniger Treibstoff als die herkömmlichen Modelle. In Zeiten steigender Kerosin-Preise ist das ein starkes Verkaufsargument – vor allem, weil Sprit für Fluggesellschaften rund ein Drittel ihrer Kosten ausmacht. Der Grund für die neue Sparsamkeit sind moderne Triebwerke. Aber auch große aerodynamisch geformte Flossen am Ende der Flügel, sogenannte Sharklets, leisten ihren Beitrag.

Neben dem Erfolgsmodell A320neo hat Airbus allerdings noch mehr im Angebot: etwa den A380, das größte Passagierflugzeug der Welt. Und mit dem A350 kommt bald ein Langstrecken-Jet auf den Markt, der dem neuen „Dreamliner“ des US-amerikanischen Widersachers Boeing Konkurrenz machen soll.

TRIEBWERK

Volle Kraft

München. Die Komponenten vieler Airbus-Triebwerke, etwa Turbinen, stammen vom Hersteller MTU Aero Engines. Das Münchner Unternehmen fliegt in fast allen Modellen mit. „Wir sind dabei, wenn der besonders sparsame A320neo oder das größte Passagierflugzeug der Welt – der A380 – abheben“, erklärt der MTU-Chef Egon Behle stolz. Vor allem die Beteiligung an diesen modernen Triebwerken sichere langfristig Arbeitsplätze.

Das Unternehmen und die rund 4.800 Mitarbeiter im Münchner Hauptwerk und der Zentrale profitieren stark von den gut laufenden Geschäften des Großkunden Airbus. „Er ist der bedeutendste Flugzeughersteller für uns“, sagt Behle. Allein der Verkauf neuer Triebwerke beschert dem Zulieferer mit mehr als 600 Millionen Euro im Jahr über ein Fünftel des Umsatzes. Hinzu kommt das Instandhaltungsgeschäft.

BELEUCHTUNG

Die Lichter für den Himmel

Nürnberg. Dafür, dass es in Passagierkabine und Waschraum auch in Tausenden Meter Höhe niemals dunkel wird, sorgen Produkte aus Nürnberg. Diehl Aerospace stattet den Innenraum der Flieger von Airbus und Boeing mit Lichtern aus. Pro Jahr stellen die rund 350 Beschäftigten am fränkischen Standort des Unternehmens etwa 80.000 Beleuchtungseinheiten in unterschiedlichsten Größen und Varianten her.

Die Mitarbeiter haben aktuell ordentlich zu tun – und können auch optimistisch in die Zukunft blicken. „Wir profitieren derzeit von einem allgemeinem Boom in der Luftfahrt“, sagt Sprecher David Voskuhl. Die Auftragsserie für Airbus betrachtet man bei Diehl als wichtigen Beitrag zur langfristigen Beschäftigungssicherung im Werk. „Und sie stützt natürlich unsere Planungen, die klar auf Wachstum ausgerichtet sind.“

RUMPF

Groß, stabil – und auch noch leicht

Augsburg. Bei Premium Aerotec arbeiten Spezialisten für die richtig großen Bauteile. „Wir sind weltweit der größte Airbus-Zulieferer von Rumpfstrukturen“, sagt Joachim Nägele, Sprecher der Geschäftsführung. Mehr als 2.500 Beschäftigte arbeiten am Hauptsitz des Unternehmens im schwäbischen Augsburg, weitere 4.500 Mitarbeiter sind es in den drei norddeutschen Werken in Nordenham, Varel und Bremen.

Die Kernkompetenz des Augsburger Werks ist die Fertigung großer Rumpfsektionen für nahezu alle Airbus-Modelle. Sie müssen sowohl stabil als auch möglichst leicht sein. Außerdem ist hier der Schwerpunkt der Entwicklungsarbeit angesiedelt. Augsburg hat sich im Unternehmen zudem als Zentrum für den Leichtbau mit Kohlefaserverbundwerkstoffen (CFK) etabliert.

Sie kommen vor allem im neuen A380 zum Einsatz und werden noch stärker im A350 zu finden sein. Für diesen modernsten Airbus werden die Mitarbeiter in Augsburg auch die Aufhängung des Hauptfahrwerks aus Titan fertigen. Sie wird aus 600 Kilogramm schweren Rohlingen gefräst. Laut Premium Aerotec beherrschen nur wenige Hersteller die Bearbeitung solch großer Titan-Bauteile.

HÖHENSTEUERUNG

Ständiges Auf und Ab

Lindenberg. Dank Technik aus dem Allgäu gewinnen Airbus-Maschinen an Höhe – oder beginnen mit dem Landeanflug. Die Firma Liebherr-Aerospace in Lindenberg liefert für nahezu alle Modelle die sogenannten Hochauftriebssysteme. Dazu zählen etwa Landeklappen und andere verstellbare Teile am Flügel, hydraulische Motoren sowie die elektronische Steuerung.

Knapp 2.000 Beschäftigte arbeiten unweit des Bodensees für den Luftfahrtzulieferer, der stark von Airbus-Erfolgen profitiert. Allein der Lieferumfang für einen A380 besteht aus 400 Teilen mit einem Gewicht von 1,4 Tonnen. Die Firma wird auch das Bugfahrwerk des neuen A350 bauen. Fahrwerke sind neben der Höhensteuerung das zweite Standbein von Liebherr-Aerospace.

Airbus ist der größte Kunde des Unternehmens. Rund 650 Arbeitsplätze hängen von den Aufträgen des europäischen Flugzeugbauers ab – und deren Zahl dürfte in Zukunft noch anwachsen. Die gute Auftragslage und die Ausweitung der Produktion der A320-Familie und des A380 sowie der langsame Anlauf des neuen A350 sorgen bei Liebherr für große Zuversicht.

Artikelfunktionen


Unternehmen in diesem Artikel

MTU Aero Engines AG

Premium AEROTEC GmbH

Diehl Aerospace GmbH Kundendienst

Map
Diehl Aerospace GmbH Kundendienst
Donaustraße 120
90451 Nürnberg

Zum Unternehmensfinder

LIEBHERR-AEROSPACE LINDENBERG GMBH

Adventskalender-Gewinnspiel

Service-Angebote auf AKTIVonline:

Wirtschaftslexikon
Unternehmensfinder
Energiespar-Rechner
Messe-Kalender
Ferien-Kalender
'' Zum Anfang