Nachhaltigkeit

"Ignorieren hilft nicht!"


Was CSR ist und warum sich die Betriebe darum kümmern sollten

Frankfurt am Main. Der „ehrbare Kaufmann“, ein vor allem im Mittelstand ja durchaus lebendiges Ideal unternehmerischen Handelns: Es kehrt weltweit unter neuem Namen zurück. „Corporate Social Responsibility“ (CSR) wird eingefordert – zunehmend auch durch die Verbraucher. Während der Messe Heimtextil nahm sich der Gesamtverband textil+mode des Themas an: Eine Expertenrunde beleuchtete den Stand der Dinge.

CSR wird oft mit „Nachhaltigkeit“ übersetzt. Dahinter steckt: Eine Firma soll ihrer ökologischen und sozialen Verantwortung gerecht werden – aber auch ihrer ökonomischen Verantwortung etwa gegenüber den Mitarbeitern.

„Die Ziele an sich sind prima“, sagte Christoph Schäfer, „Grenzen setzt die Wirtschaftlichkeit.“ Der Rechtsexperte des Gesamtverbandes forderte die Betriebe auf, das Thema ernst zu nehmen: „Ignorieren hilft nicht“, sagte Schäfer mit Blick auf die für Ende des Jahres angekündigte Ethik-Norm ISO 26000.

Was Verbraucher fordern

Was die Verbraucher speziell von der Textil- und Modebranche erwarten: Das erläuterte dann Ingo Schönheit vom Institut IMUG an der Uni Hannover. Arbeitsplätze in Deutschland sichern oder gar schaffen? Den ökologischen Anbau etwa von Baumwolle fördern? Ja, solche „Kür“ belohne der Konsument. Absolute Pflicht sei es aber, sich um „Sozialstandards bei Produktion und Einkauf“ zu bemühen: „Da muss man heute aktiv sein“, sagte Schönheit.

Was Firmen leisten

Mit Erfahrungen aus der Praxis wartete Josef Kölker auf, Geschäftsführer der Borkener Firma Wülfing. Die gehört der BSCI an, einer Initiative, deren gut 450 Mitglieder Sozialstandards längs der gesamten Lieferkette hochhalten wollen (www.bsci-eu.org). Kölker betonte: „Wir machen kein ,Vendor-Hopping’ – wir kennen unsere Zulieferer.“ Härtere Vorgaben würde er sogar begrüßen.

Ein sozialer Umgang mit der eigenen Belegschaft wiederum ist für Kölker eine Basis des geschäftlichen Erfolgs: „Wer seine Mitarbeiter ausbeutet, hat mit Sicherheit keine Mentalität, die kundenorientiert ist.“ Wülfing bemühe sich zum Beispiel sehr um die Weiterbildung: „Unsere Englischkurse sind für alle Mitarbeiter offen.“

Mehrere Vorträge der Expertenrunde stehen im Netz www.gesamttextil.de

Info: Seit 1885 im Geschäft

Seit genau 125 Jahren am Standort Borken, noch im Besitz der Gründer-Familie – aber immer mal wieder auf neuen Wegen: Rauware-Spezialist Wülfing hat seine Produktpalette ausgeweitet. Tischwäsche, Baumwolldecken und Schlafanzüge ergänzen nun das klassische Geschäft mit Bettwäsche („Dormisette“) und Matratzenschutz.

Die Firma produziert vollstufig und ist Spezialist für Überbreiten. Am Stammsitz gibt Wülfing 160 Menschen Arbeit, die Tochterfirma in Tschechien hat 150 Beschäftigte. Der Jahresumsatz liegt bei 40 Millionen Euro. www.wilh-wuelfing.de

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