Themen-Special: Tarifrunde 2018

IG-Metall-Forderung zur Arbeitszeit würde Betriebe massiv belasten

6 Prozent mehr Entgelt und ein neuer individueller Anspruch, die Arbeitszeit deutlich zu reduzieren: Aufgrund dieser Forderungen der IG Metall zeichnet sich in der Metall- und Elektroindustrie eine harte Tarifrunde ab.

Das wird schwer: Die Idee einer 28-Stunden-Woche behindert eine Einigung beim Lohn. Foto: Fotolia

Das wird schwer: Die Idee einer 28-Stunden-Woche behindert eine Einigung beim Lohn. Foto: Fotolia

München. In Bayerns Metall- und Elektroindustrie zeichnet sich eine harte Tarifrunde ab. Einerseits müssen die Betriebe ernorme Investitionen stemmen, um ihre Zukunftsfähigkeit zu sichern. Stichworte: Industrie 4.0, Digitalisierung, E-Mobil, autonomes Fahren. Andererseits will die Gewerkschaft mit einer zweiteiligen Forderung in die Mitte November beginnenden Verhandlungen ziehen, die in der Summe dramatisch höhere Kosten brächte.

Beim Entgelt geht es um eine „Erhöhung um 6 Prozent“ bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. So hat es der IG-Metall-Bundesvorstand als Forderung empfohlen. Dazu muss man wissen: Die Inflation liegt im Schnitt der Prognosen 2017 wie auch 2018 unter 2 Prozent. Und die gesamtwirtschaftliche Produktivität, die in Lohnrunden eine wichtige Rolle spielt, schwächelt seit Jahren; 2016 stieg der Pro-Kopf-Output laut Statistischem Bundesamt um 0,6 Prozent.

Außer um den Lohn geht es dieses Mal auch noch um die Arbeitszeit. Den Betrieben droht eine massive Belastung durch einen neuen individuellen Anspruch, den die IG Metall ebenfalls durchsetzen will: Jeder Tarifbeschäftigte soll seine Arbeitszeit für „bis zu 24 Monate“ auf „bis zu 28 Stunden“ reduzieren dürfen – und das „ohne Begründungszwang“.

So etwas würde die Personalplanung extrem erschweren, zumal gute Ersatzkräfte in vielen Regionen nicht mal so eben zu finden sind. Obendrein möchte die Gewerkschaft auch noch einen offenbar erheblichen „Entgeltzuschuss“ für einen großen Teil derer, die den neuen Teilzeit-Anspruch nutzen würden: Die Entscheidung dafür, so wird betont, dürfe „nicht vom Geldbeutel abhängen“.

Aus Sicht der Wirtschaft ist der Arbeitszeit-Vorstoß der IG Metall unbegründet, überflüssig und gefährlich. Unbegründet, weil die von ihr eigens zu diesem Thema initiierte Großumfrage gar keinen Handlungsbedarf zeigt. Überflüssig, weil gesetzliche, tarifliche und betriebliche Regelungen schon längst für viel Rücksicht auf private Belange sorgen. Und gefährlich, weil eine solche „verkürzte Vollzeit“ Betriebe in die Klemme bringen würde.


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