Investitionen

Hoher Einsatz – volles Risiko


„Fußball in Vollendung“: FC-Bayern-Präsident Uli Hoeneß beim Champions-League-Halbfinale in Lyon. Er sieht seine Strategie bestätigt. Vor ein paar Monaten hat das keiner erwartet. Foto: dpa

Hier zeigt sich, was Betriebe erfolgreich macht

München. Das Geschäft schien waghalsig: „Er ist ein Spieler aus Glas“, lästerte man in Spanien, als Bayern München zu Saisonbeginn Arjen Robben holte – von Real Madrid, für 25 Millionen Euro. Der Mann galt als verletzungsanfällig. „Bien vendido“, höhnte die Sportzeitung „Marca“ in fetten Lettern: „Gut verkauft!“

Und jetzt dieses Bild: Bayern-Boss Uli Hoeneß, die Reizfigur der meisten Fußballfans, beim Einzug ins Finale der Champions League. „Alles, was jetzt kommt, ist nur noch Sahne“, sagt er. Und im Stil eines Konzernlenkers auf der Bilanzpressekonferenz: „Es kann ein gutes Jahr werden.“

Erstmals ist für einen deutschen Klub das Triple drin, Platz eins in Europa, Meisterschaft und DFB-Pokal – Robben wurde mit Traum­toren zum Wegbereiter. Im Fußball-Business gilt offensichtlich das Gleiche wie in der Wirtschaft: Man muss investieren – und dabei auch mal voll ins Risiko gehen.

Der Philosophie treu geblieben

Denn hier wie da gilt: Geld schießt nicht automatisch Tore. Von den 75 Millionen, die Hoeneß diese Saison für neue Spieler ausgab, ging der dickste Batzen für Bankdrücker Mario Gomez drauf. Innerbetrieblich wurde ganz schön gemosert. „Wenn man sich mit Barcelona, Chelsea, Manchester United messen will“, kritisierte noch im November der Verteidiger Philipp Lahm, „braucht man eine Spiel-Philosophie.“

Wer mag heute noch dem Trainer Louis van Gaal widersprechen, dass die Firmenstrategie immer gestimmt habe? O-Ton: „Es ist alles ein logischer Prozess gewesen.“

Solider deutscher Mittelständler

Dabei agiert der FC Bayern im europäischen Vergleich bodenständig, als typisch deutscher Mittelständler mit soliden Finanzen. Im Unterschied zu Betrieben anderer Branchen hat er nur ein Problem: Der Ball ist rund.

Während in der Industrie Produktionsanlagen, Marktanteile und Patente für gewisse Sicherheit sorgen, kann ein dummes Gegentor in der Schlussphase alles wieder zunichte machen. „Wir bekommen die Gladiolen oder wir sind tot“, bleibt van Gaal deshalb nüchtern.

Der Ex-Profi Erik Meijer, wie Robben und van Gaal ein Niederländer, hat das mal deftiger formuliert: „Nichts ist scheißer als Platz zwei.“

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