Konjunktur

Hoffen auf den frühen Vogel


Experten sehen erste Anzeichen für die Wende zum Guten

Frankfurt. Wann wird es für unsere Wirtschaft endlich wieder Frühling? Seit Mitte Februar gibt es Grund für etwas Zu­versicht. Denn der „frühe Vogel“, mit seinem feinen Gespür für die künftige Wetterlage, ist munter geworden und schwingt sich Richtung Plus-Zone auf (siehe Schaubild).

Gehätschelt und gepflegt wird der frühe Vogel in der Volkswirtschaft-Abteilung der Commerzbank in Frankfurt. Sie hat den Job, den Bank-Chefs ein möglichst realitätsnahes Bild der aktuellen und künf­tigen Wirtschaftslage zu verschaffen. Und dazu berechnen sie Monat für Monat den „Early-Bird-Früh­indikator“.

Investieren wird attraktiv

„Im Vergleich mit Umfragen über die Stimmung in den Unternehmen sind wir noch einen Schritt weiter vorn“, erklärt Commerzbank-Volkswirt Ralph Solveen. Gefüttert wird der Early Bird mit drei wichtigen Statistiken:

  • Die erste zeigt an, ob die US-amerikanischen Industrie-Unternehmen fleißig Produkte bei ihren Zulieferern bestellen oder nur noch wenig neue Ware brauchen. „ISM-Einkaufsmanager-Index“ ist der Fachbegriff für diesen Wert.
  • Die zweite Zahl ist der Zinssatz, zu dem sich Banken in der Euro-Zone untereinander für drei Monate Euro leihen: in der Sprache der Experten der „3-Monats-Euribor“.
  • Der dritte Wert schließlich ist der Wechselkurs, zu dem deutsche Hersteller im Durchschnitt ihre Produkte im Ausland verkaufen.

Für die Auswahl nennt Solveen gute Gründe. Ers­tens sind die USA die größte Volkswirtschaft der Welt – wenn die Industrie dort mehr oder weniger bestellt, beeinflusst das auch in vielen Zuliefer-Betrieben rund um den Globus die Ge­schäfte von morgen.

Zweitens spielen die Zinsen eine entscheidende Rolle, wenn es um die Investitionsbereitschaft geht. Wenn sich Be­triebe günstig Geld leihen können, lohnt es sich im Zweifel eher, eine neue Maschine anzuschaffen. „Derzeit saust der 3-Mo­nats-Euribor nach unten, wie ich es noch nie erlebt habe“, sagt Solveen staunend. Das liegt an den Zinssenkungen der Europäischen Zentralbank. „Der niedrige Zins wird in neun bis zwölf Monaten die Unternehmen zu Investitionen an­regen.“

Wachstum zum Jahresende

Drittens schließlich der Wechselkurs: Für deutsche Export-Firmen ist es unmittelbar von Vorteil, wenn – wie zu­letzt geschehen – der Euro im Vergleich mit anderen Währungen an Wert verliert. Sie können dann zum Beispiel ihre Autos in Amerika billiger anbieten.

In dieser Woche wurde der Januar-Wert des Early Bird veröffentlicht. Solveen interpretiert ihn so: „Um die Jahreswende wächst die deutsche Wirtschaft wieder.“ Gleichzeitig dämpft er aber hochfliegende Erwartungen: „Wegen der Nachwirkungen der Finanzmarktkrise wird es 2010 nicht so stark nach oben gehen.“

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