Steuerregeln für den Pflegefall

Hilfe vom Finanzamt


Dienst am Senior: Bezahlte Pflege gilt auch als „haushaltsnahe Dienstleistung“. Foto: Weisflog

Wenn die eigenen Eltern pflegebedürftig werden, ist das nicht nur traurig. Sondern oft auch teuer. Und die Pflegeversicherung zahlt ja längst nicht alles. Immerhin: Bestimmte Kosten können der Pflegebedürftige selbst oder auch die pflegenden Angehörigen von der Steuer absetzen.

„Es zählen nur wirklich notwendige, durch die Pflegebedürftigkeit zwangsläufig entstehende Aufwendungen“, erklärt Markus Deutsch vom Deutschen Steuerberaterverband, selbst Rechtsanwalt und Steuerberater. „Nur“ mehr Bequemlichkeit für den Senior ist also noch kein Grund, den Fiskus zu beteiligen.

Die Notwendigkeit der Ausgaben belegt man beispielsweise durch eine ärztliche Verordnung. Dabei gibt es aber eine wichtige Ausnahme: Diätkost wird trotz Rezept nicht anerkannt.

Beratung im Einzelfall nötig

Natürlich muss man auch die Pflegebedürftigkeit selbst belegen können, zum Beispiel durch die Bescheinigung über die Pflegestufe. Und Deutsch stellt klar: „Die Kosten, die bereits von der Pflegekasse oder anderweitig erstattet worden sind, können steuerlich nicht geltend gemacht werden.“

Der Umgang mit dem, was an Kosten hängen bleibt, ist kompliziert. „Die Regeln sind leider sehr unübersichtlich – und schließen sich teilweise aus“, seufzt der Experte. Wer als Betroffener kein Geld verschenken will, sollte sich deshalb beraten lassen.

Noch am einfachsten funktionieren die Pauschbeträge. Pflegende Angehörige können unter bestimmten Bedingungen 924 Euro pro Jahr geltend machen, Pflegebedürftige mit einem Schwerbeschädigtenausweis bis zu 3.700 Euro.

Sind die tatsächlichen Kosten höher, dann muss man Belege sammeln. Nachgewiesene pflegebedingte Kosten des Seniors (egal, ob für Windeln oder für einen Heimplatz) werden vom Finanzamt als „außergewöhnliche Belastung“ akzeptiert und mindern die Steuerlast. Allerdings wird ein zumutbarer „Eigenanteil“ angesetzt, der unter anderem vom Einkommen abhängt.

Haushaltshilfe immer absetzbar

Professionelle Hilfe bei der Pflege oder im Haushalt können der Pflegebedürftige oder seine Angehörigen als „haushaltsnahe Dienstleistung“ von der Steuer absetzen: Das senkt die Steuerlast um 20 Prozent dieser Kosten (höchstens aber um 4.000 Euro). Achtung: Dafür muss keine Pflegestufe nachgewiesen werden!

Ähnlich absetzbar sind Handwerkerleistungen, wenn etwa die Wohnung behindertengerecht umgebaut wird. Der Fiskus zahlt ein Fünftel der Lohnkosten (maximal 1.200 Euro pro Jahr).

Wenn Kinder die Rechnung für ihre pflegebedürftigen Eltern zahlen, sind das in bestimmten Fällen ebenfalls „außergewöhnliche Belastungen“. Günstiger ist es oft, das Geld direkt den Eltern als Unterhalt zu zahlen, weil dann kein Eigenanteil abgezogen wird.

Bis zu 8.004 Euro pro Jahr kann man für die Unterstützung unterhaltsberechtigter Personen steuerlich geltend machen, so Deutsch. „Allerdings wird das Einkommen des Seniors voll angerechnet, wenn es mehr als 624 Euro pro Jahr beträgt.“

Achtung: Eine zwingende Pflicht zum Elternunterhalt besteht meistens nicht – oder nur sehr eingeschränkt.

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aktualisiert am 29.09.2017

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