Unfallversicherung

Hilfe nach dem Crash


Brutales Ende eines Heimwegs: 2008 gab es fast 180.000 meldepflichtige Wege-Unfälle. Foto: Sturm

Die Zahl der Wegeunfälle ist 2008 deutlich gestiegen – Mitarbeiter sind gut geschützt

Berlin. Dass auch ein Boom seine Schattenseiten hat, zeigt jetzt eine neue Statistik aus der Hauptstadt: Im Jahr 2008 haben die Beschäftigten in vielen Betrieben ja bis zum Anschlag gearbeitet – und so reagierten mehr müde Mitarbeiter falsch auf den Stress im Straßenverkehr. Mit rund 176.000 war die Zahl der „Wegeunfälle“ gleich um 5,5 Prozent höher als 2007, so die Deutsche Gesetzliche Un­fallversicherung.

Dabei geht es nicht etwa um kleine Blechschäden. Meldepflichtig ist ein solcher Unfall nur, wenn ein Betroffener im Job mindestens drei Tage ausfällt. Ein kleiner Trost: Obwohl es nsgesamt häufiger krach­te, gab es deutlich weniger tödliche Unfälle auf dem Weg zur Firma oder nach Hause (468 Fälle – minus 7 Prozent).

Und gut zu wissen: Wenn es denn kracht, ist ein Mitarbeiter bestens abgesichert – auf Kosten des Arbeitgebers. Allein die Firmen der gewerblichen Wirtschaft bezahlen fast 10 Milliarden Euro pro Jahr an die Berufsgenossenschaften, die sich um Opfer von Arbeits- und eben auch Wegeunfällen kümmern.

Die Leistungen sind umfassend. Die Berufsgenossenschaft überwacht den Heilungsprozess – das klare Ziel: Der Betroffene soll wieder möglichst uneingeschränkt leben und arbeiten können.

Kein Schutz bei privatem Umweg

Neben medizinischen Kosten kann daher eine Haushaltshilfe bezahlt werden oder auch die Fahrtkosten der Familie zu einem entfernten Hospital, in dem ein Verletzter liegt.

In schweren Fällen bekommt der Betroffene nach dem Auslaufen der üblichen Lohnfortzahlung „Verletztengeld“ oder eine Rente. Und im Extremfall gibt es eine Rente für die Hinterbliebenen.

Um derart gut abgesichert zu sein, muss sich ein Arbeitnehmer an Regeln halten. So geht, wer einen Wegeunfall hatte, nicht zum Hausarzt, sondern zu einem speziell geschulten „Durchgangsarzt“.

Vor allem aber können Wegeunfälle nur auf direktem Weg zwischen Wohnung und Arbeitsplatz passieren. Private Umwege sind tabu! Wer unterwegs noch schnell ein Pausenbrot kauft und sich dabei auf dem Supermarkt-Parkplatz das Bein bricht, der ist kein Fall für die Berufsgenossenschaften – so urteilte im Dezember 2008 das Bundessozialgericht (Aktenzeichen B 2 U 15/07 R und

B2 U 17/07 R).

Versichert sind aber Umwe­ge, die nötig sind, um ein Kind zur Kita zu bringen. Oder um Teilnehmer einer Fahrgemeinschaft einzusammeln. Wer allein fährt, muss nicht die kürzeste Strecke zur Arbeit wählen – es darf die verkehrsgünstigste sein. Versichert ist auch, wer mit der Bahn, dem Rad oder zu Fuß unterwegs ist. Aber stets gilt: Mit Alkohol im Blut hat man im Falle eines Falles schlechte Karten.

Was man im Ernstfall tun muss

Die vier Punkte sind nicht neu – wer sie auswendig weiß, reagiert im Ernstfall souveräner.

  • Hilfe holen: Ist jemand verletzt, wird sofort die Notrufnummer 112 gewählt. Die Polizei erreichen Sie unter 110.
  • Hilfe leisten: Bis die Profis da sind, müssen sich alle um die Verletzten kümmern, so gut es geht. Wann haben Sie eigentlich zuletzt einen Erste-Hilfe-Kurs gemacht?
  • Unfallort sichern:  Warnblinklicht an, Warndreieck aufstellen, Warnweste anziehen!
  • Beweise sammeln: Adressen von Zeugen no­tieren, Fotos machen. „Wichtig ist eine Übersichtsaufnahme“, sagt der ADAC, „auch Bremsspuren sollte man fotografieren.“

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Schlagwörter: Verkehr Recht

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