Demenz

Hilfe in der Welt des Vergessens


Neue Produkte können Alzheimer-Kranke und ihre Angehörigen unterstützen

Hamburg. „Bloß nicht diese Nummer. Bloß nicht dement werden im Alter, das schwirrte mir oft im Kopf herum.“ So beschreibt der ehemalige Fußball-Manager Rudi Assauer in seinem Buch sein Leiden: Das langsam fortschreitende Vergessen.

Nach Angaben des Forschungsministeriums sind 1,3 Millionen Deutsche an Demenz erkrankt, zwei Drittel davon an Alzheimer. Heilen kann man Demenz bisher nicht. Es gibt jedoch neue Produkte, die den Betroffenen und ihren ­Familien die Last erträglicher machen können.

Film mit Hundewelpen weckt Erinnerungen

Diesen Anspruch hat „Ilses weite Welt“. Das Hamburger Unternehmen dreht Filme für Demente. Sie heißen „Ein Tag im Tierpark“ oder „Hunde – unsere treuen Freunde“ und zeigen beispielsweise acht Hundewelpen, die zum ersten Mal in den Garten dürfen. Das langsame Tempo ist den Erkrankten angepasst. „Solche Bilder wecken schöne Erinnerungen an Freundschaft, Liebe, Glück“, erläutert Marion Seigel von „Ilses weite Welt“.

In Verbindung mit einem Fühlkissen aus dem Sortiment des Unternehmens können sich manche Erkrankte an ihr früheres Haustier erinnern. So werden Gespräche mit den Angehörigen wieder möglich.

Die Idee kommt an: Seit dem Start Ende 2010 wurden rund 1.100 Artikel verkauft, die meisten davon sind DVDs. Nach Angaben der Alzheimer Forschung Initiative werden etwa 70 Prozent der Demenz-Kranken zu Hause von ihren Angehörigen gepflegt. „Hilfsmittel für Demente sollen den Erkrankten dabei unterstützen, möglichst lange in seinem gewohnten Umfeld zu bleiben“, sagt Harald Krummel von der Deutschen Gesellschaft für Gerontotechnik.

Solche Hilfsmittel sind zum Beispiel Fußböden mit Sensoren, die bei einem Sturz Alarm auslösen, oder eine Abschalt-Automatik für den Herd. Im „Kompetenznetzwerk Demenz“ haben acht Unternehmen Ideen entwickelt. Darunter die Firma BOS in Emsdetten: Der Spezialist bietet auch Türrahmen mit LEDs an. Sie leuchten in verschiedenen Farben und geben Orientierung in der Wohnung.

Ortung mit GPS-System

Die Deutsche Gesellschaft für Gerontotechnik geht von einer wachsenden Nachfrage aus. Denn jährlich werden rund 200.000 Neuerkrankungen gezählt. Wie sich der Bedarf tatsächlich entwickelt, lässt sich dennoch schwer voraussagen. Zahlen über das Umsatzvolumen des Marktes gibt es nicht. Nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes sind die gesamten Krankheitskosten zwischen 2002 und 2008 von 7,1 auf 9,4 Milliarden Euro angestiegen.

„Der Markt wächst, aber er ist sehr individuell“, sagt Ulrich Rechtsteiner, Geschäftsführer der Stuttgarter Arealcontrol. Das Unternehmen fertigt GPS-Ortungssysteme, die auch für Demenzkranke hilfreich sind. „Rund 1.000 Geräte sind bereits im Einsatz, es können aber auch bald 5.000 werden“, sagt Rechtsteiner.

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