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Ratgeber

Hilfe, eine Erbschaft!


„Möchten Sie das haben?“ Beim Erben wird man da gar nicht gefragt: Erbe wird man automatisch – auch wenn man nichts über den Nachlass weiß. Foto: Roth

Was tun, wenn der Nachlass vielleicht überschuldet ist?

So viel zu erben war noch nie: Mit dem Abgang der ersten Generation, deren Wohlstand von keinem Krieg vermindert worden ist, rollt eine Erbschaftswelle durchs Land. Bis 2025 ist nach einer Studie der Beratungsgesellschaft BBE mit 14 Millionen Erbschaftsfällen zu rechnen, allein das betroffene Geldvermögen beträgt 2 Billionen Euro. Trotzdem sollte man nicht jeden Nachlass ein fach annehmen – sonst zahlt man womöglich drauf.

Das Problem dabei: Stirbt etwa ein kinderloser Onkel, den man seit 30 Jahren nicht mehr gesehen hat, kann man ganz automatisch Erbe sein – nur, weil man verwandt war. Wer dann nichts tut, muss am Ende eventuelle Schulden des Verstorbenen bezahlen.

„Sobald man vom Tod erfahren hat, hat man sechs Wochen Zeit, ein überschuldetes Erbe auszuschlagen“, erklärt Notar Hubertus Rohlfing, Fachanwalt für Erbrecht in der Kanzlei Kahlert Padberg in Hamm. Dazu unterschreibt man beim Amtsgericht eine Ausschlagungserklärung.

Rechnungen nicht einfach bezahlen

Aber Achtung! Zeigt sich später, dass der Onkel doch ein Millionär war, ist das Geld weg: „Wer die Vermögenslage nicht absolut sicher kennt, sollte das Erbe daher erst einmal annehmen“, empfiehlt Rohlfing. Sind die Finanzen des Verstorbenen nicht rasch zu übersehen, kann man beim Amtsgericht die Nachlassverwaltung beantragen. „Das geht auch, wenn sich schon Gläubiger gemeldet haben.“

Der Nachlassverwalter verschafft sich einen Überblick und verkauft alle Wertgegenstände. Davon bezahlt er sein Honorar und offene Rechnungen. Was übrig bleibt, geht an die Erben.

Reicht das Geld nicht für alle Gläubiger, wird eine Nachlassinsolvenz eingeleitet. „Beide Verfahren sind kostenpflichtig“, sagt Rohlfing, „dafür haftet der Erbe aber nicht mehr für eventuelle Schulden.“

Für jeden Erben gilt: Flattern plötzlich noch unerwartete Rechnungen des Verstorbenen  ins  Haus, heißt es aufpassen. „Man sollte auch kleine Summen nie bezahlen, bis geklärt ist, ob noch weitere offene Forderungen bestehen“, warnt der Experte. Denn man macht sich schadenersatzpflichtig, wenn man nicht alle Gläubiger gleich behandelt.

Im Zweifel beantragt man beim Amtsgericht ein (kostenpflichtiges) Aufgebotsverfahren: Dann müssen sich alle Gläubiger melden. „Nach Ablauf der Meldefrist darf niemand mehr Ansprüche geltend machen.“ Gegebenenfalls kann man anschließend eine Nachlassinsolvenz beantragen.

Hat man überhaupt nichts Wertvolles geerbt, sondern nur ein paar Teller, kann man sich lästige Mahnungen mit der sogenannten „Dürftigkeitseinrede“ vom Hals halten: „Darin teilt man formlos mit, dass das Erbe keinen Wert hatte“, erklärt Rohlfing.

Kontoauszüge vier Jahre aufheben

Oft werden die Gläubiger Beweise sehen wollen. Dann sollte man belegen können, was man bekommen hat: „Ich empfehle jedem Erben, alle eventuell als wertvoll geltenden Gegenstände zu fotografieren und Kontoauszüge mindestens vier Jahre lang aufzuheben.“

Übrigens: Wer von einem Onkel mehr als 20.000 Euro erbt, der muss Erbschaftsteuer zahlen.

 

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