3.000 Sorten

Hightech-Produkt Papier


Ein Klassiker lässt einen ganzen Industriezweig boomen

Wir lieben Papier. Und nutzen es reichlich: Als Zeitung, Buch, Brief, Tapete, Toilettenpapier, Teebeutel, Verpackung und, und, und. Es gibt sogar Kleider aus der beliebten Holzfaser.

Die Papierbranche boomt: Lag der weltweite Verbrauch vor gut  40 Jahren noch bei rund 70 Millionen Tonnen, betrug er 2006 alleine in Deutschland 20,8 Millionen. Rund um den Globus sind es heute 367 Millionen Tonnen.

Vorbei die Zeiten, als man noch Blatt für Blatt von Hand schöpfte und Papier reiner Luxus war. Heute ist es Massenware: Weiß oder bunt, reißfest und belastbar, dick oder hauchdünn, transparent und auf Wunsch klinisch rein. Gleich 3.000 verschiedene Sorten produzieren die rund 46.000 Mitarbeiter der heimischen Papierindustrie. Sie erwirtschaften einen Umsatz von 13 Milliarden Euro jährlich und machen uns damit zur Nummer eins in Europa. Weltweit gesehen liegt Deutschland an vierter Stelle hinter den USA, China und Japan.

Deutsche Weltmeister im Altpapiersammeln

Der Griff zum Papier erfolgt fast automatisch: Allein an Druck- und Büropapier benötigen wir jährlich 10,5 Millionen Tonnen.

Deshalb fordern Umweltschützer, statt „Frischfaserpapier“ aus frischem Holz lieber Recyclingprodukte zu nehmen: Schulhefte, Kopier- und Toilettenpapier mit dem „Blauen Engel“ schonen die Ressourcen. Den Unternehmern ist das recht: „In Deutschland ist Altpapier mengenmäßig die wichtigste Faserquelle für Papier“, sagt Gregor Andreas Geiger vom Verband Deutscher Papierfabriken (VDP). In 100 Tonnen Papier, die bei uns produziert werden, stecken 67 Tonnen Altpapier – insgesamt 15,5 Millionen Jahrestonnen. Das funktioniert auch deshalb, weil die Deutschen „Weltmeister“ im Altpapiersammeln sind: Wir schaffen eine sensationelle Rücklaufquote von 80 Prozent.

Das meiste Altpapier wandert in Verpackungen. Die sind mit 9,2 Millionen Tonnen der zweitgrößte Brocken der deutschen Papierproduktion (siehe Grafik).

Um wettbewerbsfähig zu bleiben, grübeln Wissenschaftler jedoch ständig darüber nach, wie sich Papier weiter verbessern lässt: Noch reißfester, noch dünner, noch bessere Oberflächen. Dabei spielt Chemie eine große Rolle: Spezielle Zusätze, sogenannte Additive, machen zum Beispiel Papiertüten stabiler und Küchentücher nassfest.

Turbinenschaufeln aus Papier

Die Forscher tüfteln zudem  an  technischen  Anwendungen, die es bisher noch nicht gab: Sie erfinden hauchdünne, biegsame Batterien auf Papierbasis. Oder formen mikroskopisch kleine Turbinenschaufeln aus Papier, denen sie keramische Bestandteile beimischen – Nanotechnik lässt grüßen! Im Hochofen gebacken verbrennen die zuvor beigemischten Papierfasern, und es entsteht ein hochbelastbarer Werkstoff.

Es gibt auch sogenanntes „intelligentes Papier“, das Daten speichern kann. Das Geheimnis des eigentlich ganz gewöhnlich aussehenden I-Papiers: Es besitzt eine magnetische Speicherschicht zwischen mehreren  Papierlagen. 

Artikelfunktionen


Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:

'' Zum Anfang