Jagd nach Rekorden

Hightech-Materialien sollen olympische Wintersportler in Sotschi zu Spitzenleistungen bringen


Berlin. Atemberaubende Sprünge, waghalsige Überschläge: Wenn am 7. Februar bei den Olympischen Spielen im russischen Sotschi der Kampf um die Medaillen beginnt, ist erstmals „Slopestyle“ mit am Start. Spezielle Skier und eine Schutzausrüstung machen diese neue Diszi­plin überhaupt erst möglich. Das raffinierte Material stammt – wie fast die gesamte Ausrüstung der Olympioniken – aus den Labors der chemischen Industrie.

Die deutsche Medaillenhoffnung für den Extremsport heißt Lisa Zimmermann (Video ansehen). Die Schülerin gilt weltweit als Favoritin. Am Start erscheint die 17-Jährige im Rennanzug mit Rückenprotektoren, Brille und Kopfschutz. Leicht, schnell und extrem belastbar muss das Material sein. Kunststoff ist deshalb die erste Wahl.

Der Helm zum Beispiel: „Eine verbesserte Belüftung und geringeres Gewicht sind für mich definitiv die Meilensteine in der technischen Entwicklung“, urteilt Snowboard-Profi Christophe Schmidt, der schon bei den Olympischen Spielen 2006 und 2010 dabei war. Die schlagfeste Außenschale der Profi-Helme ist meist aus dem sehr leichten Werkstoff Karbon. Innen steckt EPS-Hartschaum: Beim Sturz verformt sich das Material und kompensiert so die Aufschlagkräfte.

Oder die Skier: Erste Modelle aus Buchen-, Ahorn- oder Fichtenlatten wichen bald elastischeren Brettern aus verleimten Hölzern. Doch der Kleber war nicht wasserfest, die Beschichtung löste sich ab. Von Hand musste man die Skier immer wieder imprägnieren und mit Wachs versiegeln. Es folgten Versionen aus Metall und Aluminium, in den 1950er-Jahren erstmals mit Belägen aus thermoplastischem Kunststoff.

602 Goldmedaillen in 50 Jahren durch Entwicklungen von Forschern

1962 holte der Österreicher Karl Schranz bei den Alpinen Weltmeisterschaften im französischen Chamonix mit seinen Fiberglas-Skiern gleich zwei Weltmeistertitel. Heute sind Alpin-Ski schichtweise aus verschiedenen Kunststoffen aufgebaut. Das i-Tüpfelchen sind Flüssigwachse mit Fluorsilikonen: Sie gleichen den Schnee aus, je nachdem ob er flockig, verharscht oder grobkörnig ist.

Viele Technologien stammen aus dem Berliner Institut für Forschung und Entwicklung von Sportgeräten (FES). Die staatlich geförderte Einrichtung beschäftigt 70 Mitarbeiter, darunter viele Werkstoff- und Kunststofftechniker. „Im Kern befassen wir uns mit dem Zusammenwirken von Mensch und Material“, so Direktor Harald Schaale. „Wir fragen uns: Wo verschwindet menschliche Kraft? Und untersuchen die Energiebilanz, um diese zu verbessern.“

Die Erfolgsbilanz des Engagements kann sich sehen lassen: 602 Goldmedaillen bei Olympia und Weltmeisterschaften in 50 Jahren Institutsgeschichte.

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