Standort

Hier spielt die Chemie


Feines Gespinst: Verpackungs-Operateur Ludgar Horstmann prüft die Faserqualität. Fotos: Wirtz (2)

Mittelständische Betriebe bilden das Rückgrat der Chemie in Westfalen

Hamm. Hätten Sie gedacht, dass man sich auf geschredderten Kunststoff-Flaschen weich betten kann? Diese füllen unter anderem Kissen, Matratzen und Steppdecken. Möglich macht es Polyester-Spezialist Advansa in Hamm.

Das sorgfältig wiederauf-bereitete Kunststoff-Granulat lässt sich zu zarten Polyester-Fasern verspinnen.

Eine Kunstfaser mit „Baumwoll-Feeling“

Der Vorteil dabei: Das Recycling spart teures Rohöl und senkt den Ausstoß an Kohlendioxid enorm. „Um bis zu 75 Prozent“, sagt Heinz Meierkord, Geschäftsführer von Advansa. Das Unternehmen greift verstärkt auf nachwachsende oder recycelte Rohstoffe zurück.

Je nach Endprodukt wird mal mehr, mal weniger recyceltes Material eingesetzt. Allein in Hamm verspinnen und verwalten die 153 Mitarbeiter bis zu 40.000 Tonnen Fasern jährlich.

Polyester ist aus unserer Kleidung kaum mehr wegzudenken. Advansa hat das Polymer-Garn weiterentwickelt, um es weich und griffig wie Baumwolle zu machen. Anders als Baumwolle aber kann die neue Faser den schwitzenden Körper trocken halten und Temperaturunterschiede abpuffern. Einige bekannte Hersteller von Sportkleidung setzen sie unter dem Markennamen „ThermoCool“ seit 2008 ein.

Die Westfalen sind aber noch auf weitere, sogenannte Kurzschnittfasern spezialisiert. Diese sind „Rohmaterial für Vliese“, so Meierkord. Die Textilien finden etwa als Tapeten, in Windeln, Wischlappen, Kabelisolierungen sowie in Filter- und Verbandsmaterialien Anwendung. Hauptmärkte sind Europa, USA und Nahost.

Advansa, eine Tochter der türkischen Sabanci Holding, hat drei Werke in Deutschland und der Türkei. Sie produzieren 300.000 Tonnen Stapelfasern und Filamentgarne pro Jahr.

Info: Mittelstand ist die Basis

Von den rund 150 Mitgliedern des Arbeitgeberverbands für die chemische Industrie in Bochum gehören 137 zum Mittelstand. Mehr als 18.700 Frauen und Männer sind hier beschäftigt, 750 von ihnen sind Auszubildende. Um dem Nachwuchs alle Facetten des Berufs zeigen zu können, schließen sich die Mittelständler oft zusammen und bilden im Verbund aus. Die Produktionspalette der kleinen und mittleren Unternehmen ist sehr breit: Chemische Grundstoffe, Farben, Lacke und Kitte, Arzneien sowie Reinigungsmittel und Körperpflege sind nur einige der Beispiele.

Mittelständische Betriebe bilden das Rückgrat der Chemie in Westfalen. Ihre Entwicklungen begegnen uns überall – von Dächern bis zu Baby-Windeln. Lesen Sie weitere Artikel auf folgenden Seiten:

Paul Bauder: Hightech ganz oben
Reckli: Bildschöner Beton
Holifa Fröhling: Läuft wie geschmiert

Artikelfunktionen


'' Zum Anfang