Gesundheit

Hier gibt’s was auf die Ohren


Wäre auf der Arbeit tabu: Schädigender Dauerlärm via MP3-Player

Sie mag Musik nur wenn sie laut ist“ – leider gilt das nicht nur für das taubstumme Mädchen aus dem Kultsong von Herbert Grönemeyer: Viele hören zu laute Musik mit dem MP3-Player. Die Folge können Gehörschäden oder Tinnitus (dauerhaftes Ohrgeräusch) sein. Aktuelle Studien zeigen, dass in Europa bereits zehn Millionen Menschen eine Hörschädigung droht. Jetzt will die EU Schutzmaßnahmen ergreifen.

Die Dauerberieselung über Mini-Kopfhörer sowie Disco-Besuche mit dem Krach eines Düsenjets im Tiefflug schaden hauptsächlich Jugendlichen: Jeder vierte hat in Deutschland bereits einen Hörschaden, warnt die Deutsche Gesellschaft für Akustik. Drei Prozent tragen sogar Hörgeräte.

Tendenz steigend: Ein Drittel der jungen Menschen von heute werde spätes­tens als 50-Jäh­rige ein Hörgerät benötigen, prophezeien Hörwissenschaftler des Münchner Klinikums rechts der Isar.

Hörschaden nicht heilbar

Denn der Sound, der durch die Ohrschnuller bläst, erreicht schnell eine Lautstärke von 100 Dezibel und mehr. Zum Vergleich: Nach der Lärm-Verordnung von 2007 müssen Arbeitgeber ihren Leuten schon ab 80 Dezibel einen Gehörschutz bereitstellen. Und ab 85 Dezibel ist das Tragen desselben Pflicht: „Das schreibt die Verordnung zwingend vor“, sagt Martin Liedtke, Lärmex­per­te beim In­s­titut für Ar­beits­schutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung in Sankt Augustin.

Wer also den heimischen Garten mit der elektrischen Heckenschere trimmt, müsste in der Firma dabei Ohrstöpsel tragen. Die Winzlinge dämpfen den Krach um bis zu 30 Dezibel. Auch lärmgekapselte Maschinen oder schallgedämpfte Wände, Decken und Teppiche machen die Arbeitswelt immer leiser. Liedtke: „Im Betrieb weisen Schilder auf die Gefahr hin, wenn es zu laut wird.“

Wir aber drehen nach Feierabend das Autoradio so lange auf, bis es dem Krach eines Flugplatzes gleicht. Oder genießen es, wenn der Hulk mit 100 Dezibel im Kino kämpft und sich das Schalker-Stadion im Spitzenwert auf gemessene 129 Dezibel hochschaukelt. Dabei tritt schon ab einer Lärmbe­lastung von 115 Dezibel nach kurzer Zeit eine Gehörschä­digung ein: „Eine Stunde bei 101 Dezibel hat die gleiche ge­hörschädigende Wirkung wie eine 40-Stunden-Woche bei 85 De­zibel“, weiß Gerhard Hesse, Chefarzt der Tinnitus-Klinik Dr. Hesse in Bad Arolsen. Er wünscht sich vor allem eine Lärm-Bremse in den Discos: „Warum sollten junge Ohren in der Freizeit mehr aushalten als werktätige Ohren?“

Leider tun gerade Jugendliche wirklich alles, um was auf die Ohren zu kriegen. Gerade tauschen sie in einschlägigen Internetforen eifrig Tipps, um den von Hersteller Apple bereits lärmgedrosselten iPod auszutricksen. Hesse: „Viele wissen leider nicht, dass ein eingeschränktes Hörvermögen nicht heilbar ist.“

Info: Höre ich noch gut? Testen Sie sich selbst

Verstehen Sie Ihre Gesprächspartner noch gut? Können Sie einer normalen Unterhaltung mit mehreren Personen folgen? Beschweren sich andere über die Lautstärke Ihres Fernsehers? Hören Sie das Vogelzwitschern und die Türklingeln? Wenn ja – gut. Wenn nicht – gehen Sie zum Arzt.

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