Brennpunkt Energiekosten

Hessische Unternehmer fürchten um den Industriestandort

Frankfurt. 1.400 Grad Celsius: Diese Hitze müssen Gießereiöfen erzeugen, damit Eisenschrott eingeschmolzen werden kann. Die Fritz Winter Eisengießerei in Stadtallendorf etwa, einer von mehr als 20 solchen Betrieben in Hessen, stattet die Auto-Industrie mit Bremsscheiben und Motorblöcken aus.

Dort, wie in vielen anderen hessischen Industriebetrieben, werden große Mengen Strom verbraucht. Und der wird immer teurer. Die extreme Belastung durch die Ökostrom-Förderung stand jetzt im Mittelpunkt eines Treffens von Energiefachleuten mit Tarek Al-Wazir, dem Landesminister für Wirtschaft und Energie.

Anlass: die erste Sitzung des neu gegründeten Energieausschusses der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU). In Frankfurt kamen Verantwortliche von 36 Firmen und 15 Verbänden aus Bergbau, Industrie, Handel, Handwerk und Landwirtschaft zusammen.

Die Folgen der steigenden EEG-Umlage (Erneuerbare-Energien-Gesetz) wurden dort am Beispiel der Firma Berkenhoff deutlich: Mit 470 Mitarbeitern produziert das Unternehmen in Mittelhessen Spezialdrähte aus Buntmetall. Die Exportquote liegt bei 60 Prozent.

Der Stromverbrauch sinkt – die Kosten steigen trotzdem

2010 gab Berkenhoff 3,4 Millionen Euro für Strom aus. Obwohl der Verbrauch seitdem deutlich reduziert wurde, kletterten die Stromkosten im vergangenen Jahr auf 4,8 Millionen Euro. „Das ist für uns nicht tragbar, denn wir können unsere Produkte nicht wesentlich teurer anbieten als die ausländische Konkurrenz“, betont Thorsten Volk, Beauftragter für Energiemanagement bei Berkenhoff.

Für ihn steht fest: „Wenn wir den Industriestandort Deutschland mit seinen gut bezahlten und sicheren Arbeitsplätzen erhalten wollen, dürfen die Stromkosten nicht steigen, sie müssen sinken.“

Peter Bartholomäus, Chef von Infraserv, dem Betreiber des Industrieparks Kalle Albert in Wiesbaden, geht noch einen Schritt weiter. Das Unternehmen versorgt in Wiesbaden mehr als 70 Betriebe mit rund 700.000 Tonnen Dampf, 90 Gigawattstunden Kälte sowie 420 Gigawattstunden Strom im Jahr. „Wenn Teile der Industrie aufgrund zu hoher Strompreise Schaden nehmen, wird die deutsche Energiepolitik weltweit zum Totschlagargument all derer, die sich nicht um die ökologischen Folgen ihres wirtschaftlichen Handelns scheren“, ist Bartholomäus, Vorsitzender des Ausschusses, überzeugt.

Entsprechend groß ist der Wunsch der Unternehmen, mit der Politik im Gespräch zu bleiben. Einigkeit mit dem Minister bestand immerhin in einem Punkt: Beim Erneuerbare-Energien-Gesetz besteht Reformbedarf.


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