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Daten sind das neue Gold

Hessens Betriebe fordern vom Staat „Digitale Agenda 2021“

Einen „beinharten Wettbewerb ums industrielle Internet“ erwartet Wolf Matthias Mang, Vorsitzender des Arbeitgeberverbands Hessenmetall. Die aktuelle Verbandsumfrage zeigt, was die Betriebe leisten und was sie brauchen.

Foto: Adobe Stock

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Fertigung bei Bosch Rexroth in Erbach: Maßgeschneiderte Prozesstechnologie für die eigene Produktion und auch für Kunden. Foto: Scheffler

Fertigung bei Bosch Rexroth in Erbach: Maßgeschneiderte Prozesstechnologie für die eigene Produktion und auch für Kunden. Foto: Scheffler

Präsentieren die Ergebnisse der Hessenmetall-Chef-Umfrage der Presse: Wolf Matthias Mang und Dirk Pollert (links). Foto: Scheffler

Präsentieren die Ergebnisse der Hessenmetall-Chef-Umfrage der Presse: Wolf Matthias Mang und Dirk Pollert (links). Foto: Scheffler

Frankfurt. 11 Prozent der hessischen Metall- und Elektro-Unternehmen (M+E) investieren mehr als 6 Prozent ihres Umsatzes in die digitale Transformation. In fünf Jahren werden es sogar schon 40 Prozent sein, die viel Geld in die Hand nehmen, um die Unternehmen für die Anforderungen durch die zunehmende Digitalisierung fit zu machen.

Das ergab eine Umfrage des Arbeitgeberverbands Hessenmetall unter seinen Mitgliedsunternehmen. An der Erhebung beteiligten sich 189 Betriebe mit rund 84.000 Beschäftigten.

Neben Fragen nach der wirtschaftlichen Lage der Betriebe beantworteten die Firmenchefs auch solche nach der digitalen Transformation. „Die Digitalisierung ist für uns eine Riesenchance, aber sie kostet die Betriebe auch enorm viel Geld“, erklärte der Vorstandsvorsitzende von Hessenmetall, Wolf Matthias Mang, bei der Präsentation der Ergebnisse Anfang Dezember in Frankfurt. Mang ist Geschäftsführer des Maschinenbauzulieferers Arno Arnold in Obertshausen und Aufsichtsratschef des Kunststofftechnik-Spezialisten Oechsler in Ansbach. Wie er betonte, wird die Zukunft der M+E-Industrie ein „beinharter Wettbewerb um das industrielle Internet sein“ – gegen die Plattform-Konzerne aus dem Silicon Valley, wie Google oder Amazon.


Mang: „Wir M+E-Unternehmen sind Meister der Fertigung. Aber in diesem Wettbewerb geht es weniger um Maschinen, sondern um die Daten, die diese Maschinen sammeln.“ Auf einer Plattform zusammengefasst, würden daraus neue lukrative Geschäftsmodelle entwickelt. Er erinnerte dabei an Uber, die größte Taxifirma der Welt und das ohne eigene Fahrzeuge, sowie Airbnb, ohne eigene Immobilien der größte Zimmer-Vermieter weltweit.

Diese Marktlogik der Plattformen müssten die Unternehmer beherrschen lernen: Vernetzung, Datenmanagement und von den Endprodukten und Endkunden aus denken. Um die Herausforderung zu bestehen, müsse entsprechend investiert werden.

Teure Investitionen in den Strukturwandel

„Wenn wir das professionell anpacken, werden wir im Wettbewerb um das industrielle Internet erfolgreich sein“, malte Wolf Matthias Mang den Strukturwandel aus. Für ihn steht fest: „Daten werden zum Schmiermittel der modernen Fertigungstechnologie.“

Wie das aussehen könnte, erläuterte Mang gleich anhand mehrerer Beispiele. So will der Autobauer Opel zukünftig auch Mobilitätsdienstleister sein. Statt in Verkaufszahlen von Autos zu denken, zählen in Zukunft gefahrene Kilometer, die dann dem Nutzer in Rechnung gestellt werden.

Der Fabrikausstatter Oechsler betreibt in Kooperation mit einem Sportartikelhersteller schon selbst eine Fabrik, in der Sportschuhe – per Internet geordert – als Einzelstücke hergestellt werden. Und Bosch Rexroth entwickelt und produziert maßgeschneiderte Prozesssteuerungstechnologie, die auch in eigenen Werken angewendet wird.

Angesichts der Chancen wundert es laut Mang nicht, dass die Unternehmen bereits in starkem Maße in Industrie 4.0 investieren. Aber sie sehen auch Gefahren. So messen laut Umfrage 85 Prozent der Befragten dem Thema IT-Sicherheit eine hohe Bedeutung bei.

„Die Unternehmen haben sich viel vorgenommen, und dafür brauchen sie jede Menge Unterstützung, vom Tarifpartner ebenso wie von der Politik“, betonte Mang. Ein zukunftsfähiges Arbeitsrecht, der zügige Ausbau der Breitbandnetze und praxisnahe Mitbestimmungsregeln stehen ganz oben auf seiner Wunschliste.

Von der nächsten Bundesregierung erhoffe man sich eine digitale Agenda 2021, die den Unternehmen hilft, sich zukunftsfähig weiterzuentwickeln. Mang: „Für den gewaltigen Strukturwandel müssen wir die aktuell starke Situation nutzen und kräftig investieren.“

Wie Dirk Pollert, Hauptgeschäftsführer von Hessenmetall, erläuterte, freue sich die Branche laut Chef-Umfrage über die aktuell gute wirtschaftliche Lage und habe positive Erwartungen für die Zukunft: „Zum Glück.“

Denn bei dem anstehenden Strukturwandel gehe es neben der Digitalisierung auch um die Entwicklung neuer Antriebe und eine stetige Intensivierung der Dienstleistung. Pollert: „Um auch weiterhin wettbewerbsfähig zu bleiben, benötigen wir erheblichen Spielraum für Investitionen in die Zukunft, damit es uns auch morgen noch so gut geht wie heute.“

Das sagen Unternehmer und Betriebsräte zur Digitalisierung

Neues Magazin „Digitale Transformation steuern“

Steht als Download bereit: Das neue Magazin von Hessenmetall. Foto: Scheffler
Steht als Download bereit: Das neue Magazin von Hessenmetall. Foto: Scheffler

Wie sich die Metall- und Elektro-Industrie im Wettbewerb um das industrielle Internet mit Plattform- Konzernen aus dem Silicon Valley behaupten kann, steht im neuen Magazin von Hessenmetall (Download: hessenmetall.de). Dort hat der Verband das erfasste Wissen der hessischen Metall- und Elektro-Unternehmen zum gewaltigen Strukturwandel der digitalen Transformation zusammengestellt.

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