Medizintechnik

Hessen - stark in Pharma


Ein Bundesland macht vor, wie der „Jobmotor Gesundheit“ funktioniert

Wiesbaden. Pharma-Industrie – da denken wir an Medikamente, Therapien, Implantate. Dabei ist die Gesundheit nur ein Aspekt. Es geht auch um Beschäftigung. Die hessischen Pharma- und Medizintechnik-Hersteller geben 34.000 Menschen Lohn und Brot.

Wie es um einen der größten Wirtschaftszweige im Land steht, diskutierten jetzt Experten bei den 6. Wiesbadener Gesprächen, initiiert vom Arbeitgeberverband HessenChemie. Sie wollten herausfinden: Sind Pharma-Industrie und Medizintechnik wirklich Jobmotoren?

Pharma-Branche ist krisenfest

Die Antwort lautet Ja. In den letzten zehn Jahren stieg die Zahl der Beschäftigten im Land um 8 Prozent in der Medizintechnik-Branche und um 22 Prozent in der PharmaBranche, das ergaben neueste Studien des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln. Vergleicht man den Anteil der Beschäftigten in der Pharma- Industrie in allen Bundesländern, liegt Hessen auf Platz eins (siehe Grafik).

Die Experten stufen die Gesundheitsbranche zudem als „krisenfest“ ein: „Die alternde Gesellschaft stellt ganz neue Herausforderungen an den Fortschritt“, so Axel Schack, Hauptgeschäftsführer der HessenChemie.

Wie uns die hessische Pharma-Industrie im Alltag hilft und gleichzeitig die Wirtschaft ankurbelt, zeigen drei Beispiele:

Demenz-Mittel erobert die Welt

Von Alzheimer-Demenz sind weltweit 24 Millionen Menschen betroffen. Hier hat das Pharma-Unternehmen Merz einen Forschungsschwerpunkt. Am Frankfurter Standort (726 Mitarbeiter) entwickelte man den Alzheimer-Wirkstoff „Memantine“. Er ist europaweit das einzige Medikament, das auch gegen die schwere Form der Alzheimer-Demenz zugelassen ist.

Von Hessen aus wird Memantine weltweit ausgeliefert und in über 50 Ländern verschrieben. Merz hat stark in Forschung und Entwicklung vor Ort investiert und die Zahl der Wissenschaftler in den zurückliegenden fünf Jahren verdreifacht. In Hessen forschen jetzt 341 Männer und Frauen für das Unternehmen.

Lebensrettendes Insulin aus Frankfurt

„Insulin-City“ nennen Insider das Werk des französischen Arzneimittel-Herstellers Sanofi-Aventis im Industriepark Höchst (8.000 Mitarbeiter). Nirgendwo im Konzern wird mehr geforscht und produziert, um Millionen zuckerkranker Menschen in aller Welt zu helfen. Alle Insuline treten von Deutschland aus ihren Weg rund um den Globus an. In den letzten zehn Jahren flossen 1,7 Milliarden Euro in den Standort.

Arbeitsplätze in Nordhessen

Der Mensch steht beim Pharma- und Medizintechnik-Konzern B.Braun Melsungen aus Nordhessen im Mittelpunkt. Das gilt sowohl für Produkte wie Infusionslösungen als auch für die 5.300 Mitarbeiter am Standort.

Belegschaft und Geschäftsführung ziehen an einem Strang: Mehrarbeit gegen Jobsicherheit und Gewinnbeteiligung, Flexibilität gegen Förderung und Qualifizierung.

In den letzten sechs Jahren entstanden 800 neue Arbeitsplätze. Auch die Zahl der Azubis steigt ständig, seit 2004 um 26 Prozent auf aktuell 708, ein Sonderprogramm für Hauptschüler inklusive. Der Konzern plant jetzt ein Investitionsprogramm für 1,6 Milliarden Euro.

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