Urteil

Hausrat auch auf Reisen versichert

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Schöööön: Zwei Wochen Urlaub auf Teneriffa. Doch während Eltern und Kinder sorglos am Strand lümmeln, bricht ein dreister Dieb ins Hotelzimmer ein und stiehlt Reisekasse, Pässe, Kleidung und Schmuck.

Was viele nicht wissen: Die Familie kann sich zumindest einen Teil des Verlustes wiederholen. Und zwar von der Hausratversicherung. Denn die kommt auch für Schäden außerhalb der eigenen Wohnung auf – zum Beispiel auf Reisen.

Im Rahmen der so genannten Außenversicherung gewähren die meisten Hausrat-Versicherungen weltweit Schutz für die im Urlaub mitgeführten persönlichen Dinge. Voraussetzung ist, dass sie sich nur „vorübergehend“ außerhalb des Versicherungsorts (der Wohnung des Versicherten) befinden. Die Reise darf also nicht länger als drei Monate dauern.

Haftung ist begrenzt

Und: Die Haftung ist zumeist begrenzt. In der Regel ist die Versicherungssumme für die unterwegs versicherten Dinge auf zehn Prozent der gesamten Versicherungssumme beschränkt. Ist der ganze Hausrat zum Beispiel mit 100.000 Euro versichert, beträgt die Obergrenze für den Schaden maximal 10.000 Euro.

Wird man auf offener Straße Opfer eines Diebstahls, gilt der Schutz der Außenversicherung nur, falls der Dieb mit einer Gewalttat droht und der Versicherte oder ein Angehöriger direkt mit Gefahr für Leib und Leben rechnen muss.

Bei Jagd auf Taschendieb verletzt

Wer einem Taschendieb nachsetzt und sich dabei verletzt, kann unter Umständen von der Gesetzlichen Unfallversicherung Entschädigung verlangen. Zwar nicht für das entwendete Hab und Gut, aber zumindest für den entstandenen körperlichen Schaden.

In einem Fall, der jetzt vor dem Sozialgericht Berlin verhandelt wurde, klagte ein junger Mann gegen die Unfallkasse.

Der Mann war zu einem Kongress nach Barcelona geflogen und blieb mit seiner Verlobten anschließend übers Wochenende in der spanischen Stadt. Nach einem Restaurantbesuch überfielen ihn zwei Männer und stahlen ihm Brieftasche samt Bankkarten, Bargeld und Personalausweis. Als der Bestohlene den Tätern nachsetzte, stellte ihm einer der Räuber ein Bein. Daraufhin stürzte der Mann und brach sich den linken Ellenbogen.

Die Unfallkasse erkannte den Vorfall nicht als Arbeitsunfall an mit der Begründung, dass es dem Versicherten nicht um die Verfolgung sondern lediglich um das Wiederbeschaffen seines Besitzes ging. Dem stimmte das Gericht zu und wies die Klage ab.

Wer sich im Interesse der Allgemeinheit in Gefahr begibt, sich beispielsweise für die Verfolgung und Festnahme einer verdächtigen Person einsetzt, ist zwar durch die gesetzliche Unfallversicherung geschützt. Das gilt auch im Ausland. Doch im Fall des Berliners überstieg die private Motivation den Durst nach Recht und Gesetz. Schließlich hätte der Mann den Täter nicht verfolgt, wenn ihm dieser nicht die Brieftasche gestohlen hätte, befand das Gericht.

(Sozialgericht Berlin, 12.3.2013, S163 U 279/10)


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