Eigenes Geld

Haste nix, kriegste auch nix


Große Familien-Unternehmen haben besonders dickes Polster

Berlin. Wer sich überlegt, ein Haus zu bauen oder eine Eigentumswohnung zu kaufen, kann ein Lied davon singen: Reicht das Eigenkapital nicht aus, ist es oft unmöglich, günstige Baukredite zu bekommen. Der  Plan von den eigenen vier Wänden platzt wie eine Seifenblase.

Eigenkapital – was ist das eigentlich? Man versteht da­runter den Teil des Vermögens eines Unternehmens, der dem oder den Eigentümern zuzurechnen ist. Es steht auf der Passivseite der Bilanz.

Das Eigenkapital be­steht überwiegend aus Rücklagen, die aus Ge­winnen, also Er­trägen, gespeist werden. Der Unternehmensgewinn ist deshalb eine der Hauptquellen für das haftende Eigenkapital.

Ein Signal für den Erfolg

Ein zu dünnes Polster erhöht das Existenzrisiko der Be­triebe, weil drei Funktionen beeinträchtigt werden.

  • Bestandssicherung: Eine hohe Eigenkapitalquote bietet ein Krisenpolster für wirtschaftliche Schwächezeiten.
  • Kreditwürdigkeit: Zusätzliches Fremdkapital wird von den Kreditinstituten gewöhnlich nur dann zur Verfügung gestellt, wenn der Betrieb über ein bestimmtes Eigenkapitalpolster verfügt. Viel eigenes Geld ist auch deshalb wichtig, weil es dem Kapitalmarkt signalisiert, dass in der Vergangenheit erfolgreich gewirtschaftet wurde.
  • Risikoabsicherung: Wer neue Produkte entwickeln und sich neue Märkte öffnen will, hat häufig hohe Verlustrisiken zu tragen. Für solche Vorhaben wird ausreichend Eigenkapital benötigt.

Gut, dass sich in den letzten zehn Jahren die Ausstattung mit eigenem Geld bei den deutschen Firmen stetig verbessert hat. Waren es 2001 beispielsweise im Schnitt nur 19,50 Euro, die dem Betrieb von jeweils 100 Euro Bilanzsumme selbst gehörten, stieg dieser Wert bis 2007 auf 25,50 Euro. Hauptgrund für den An­stieg der Eigenkapital­quote: die relativ guten Ge­winne.

Gute Jahre genutzt

In Sachen Eigenkapital schneiden vor allem die großen deutschen Fami­lienunternehmen gut ab. Ergebnis einer Analyse der Nürnberger Unternehmensberatung Weissman & Cie.: „Bei 31 der 35 größten in Familienhand liegenden Un­ternehmen liegt die Eigenkapitalquote im Schnitt bei 34,8 Prozent.“ Die Zahlen der vier restlichen Familienbetriebe, Aldi, Globus, Lidl und Remondis, waren für die Studie nicht verfügbar.

Professor Arnold Weiss­man, Chef der Unter­neh­mens­­­bera­tung: „Das ist ein dickes Polster für die Krisenzeit. Die Familienunternehmen haben die gu­ten Jahre genutzt, um sich stabil aufzustellen.“

Jetzt droht aber ein leichtes Abrutschen des Be­stands an eigenem Geld. Denn der Arbeitgeberverband Ge­samtmetall meldet: „Der größte Industriezweig Metall und Elektro droht in diesem Jahr zum ersten Mal in der Nachkriegsgeschichte rote Zahlen zu schreiben.“

Umsatzeinbrüche, stark ge­stiegene Lohnstückkosten und sinkende Er­zeugerpreise haben die Gewinne schmelzen lassen. Konnten die M+E-Unternehmen 2007 bei jeweils 100 Euro Umsatz nach Abzug von Kosten und Steuern noch 4,20 Euro Nettogewinn erzielen, waren es 2008 nur noch 2,60 Euro. Und nun stürzt das Ganze ins Minus – Betriebe machen Verluste.

Das bedeutet fürs Eigenkapital: Keine weitere Aufstockung, im Gegenteil.

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Schlagwörter: Private Finanzen

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