Arbeitsmarkt

Harter Kampf um die Jobs


Auch in der Metall- und Elektro-Industrie gehen Arbeitsplätze verloren

Großveranstaltung in der ZF-Arena Friedrichshafen: 5.000 Frauen und Männer warten darauf, was die Herren auf der Bühne zu sagen haben. Viele schauen skeptisch, haben Angst. Um den Job. Um ihre Zukunft. Am Ende brandet Applaus auf.

Die zahlreichen Menschen – es sind Mitarbeiter des Getriebeherstellers ZF Friedrichshafen, dem drittgrößten deutschen Autozulieferer (weltweit 60.000 Beschäftigte). Sie wollen wissen, wie es weitergeht. Denn der Konzernumsatz ist von Januar bis August gegenüber dem Vorjahr um ein Drittel gefallen. Drei von vier deutschen ZF-Beschäftigten arbeiten derzeit weniger.

Sparprogramm soll Stellen sichern

Doch ihre Führungskräfte da vorn machen Mut. Ziel der neuen Maßnahmen sei es, Stellen zu sichern. Deshalb will der Konzern ein Paket schnüren, das die Kosten um insgesamt 600 Millionen Euro drücken soll. Personalvorstand Thomas Sigi stellt klar: „Ein breit angelegtes Jobabbau-Programm ist definitiv nicht geplant. Wir werden alles tun, um unsere Stammbelegschaft zu halten.“

Positiv-Beispiele wie ZF gibt es viele: Landauf, landab kämpfen Metall- und Elektro-Betriebe hart um die Jobs. Und das unter schweren Bedingungen.

Zwar verzeichnet die Branche  wieder mehr Aufträge. Trotzdem lag der Bestelleingang im Juli und August insgesamt um 23 Prozent unter dem Vorjahr. Die meisten Firmen schreiben rote Zahlen. Laut Umfrage des Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung in München macht die M+E-Industrie dieses Jahr pro 100 Euro Umsatz 20 Cent Verlust. Martin Kannegiesser, Präsident des Dachverbandes Gesamtmetall: „Das geht vielen Betrieben an die Substanz.“

Trotz aller Bemühungen um die Jobs: Alle Arbeitsplätze lassen sich nicht halten. Im August hatten die Betriebe binnen einem Jahr 5 Prozent der Arbeitsplätze verloren, ein moderater Abbau bei 26 Prozent weniger Produktion.

Positive Signale aus den Betrieben

Kannegiesser  warnt vor Panikmache: „Massenentlassungen erwarte ich aus heutiger Sicht nicht.“ Und in der Tat spricht vieles für seine Einschätzung, zumal sich die Geschäftserwartungen wieder gebessert haben.

Beispiel Hundt & Weber in Siegen (Nordrhein-Westfalen): Die Gießerei hat sich wegen mangelnder Aufträge von den meisten befristeten Arbeitnehmern getrennt.

Doch die Stammcrew ist weiter an Bord. Geschäftsführer Rüdiger Heinke: „Meine Fachkräfte lasse ich so schnell nicht ziehen.“

Beispiel Arno Arnold in  Obertshausen (Hessen): Auch der Hersteller von Schutzab­deckungen für Anlagen gibt Entwarnung – vorerst zumindest. Geschäftsführerin Si­mone Weinmann-Mang: „Wir gehen davon aus, dass das  Schlimms­te hinter uns liegt.“

Beispiel Mennekes in Kirchhundem (Sauerland): Die Elektrotechnik-Firma (Starkstromstecker, Kupplungen und Steckdosen) hat Anfang des Jahres mit dem Betriebsrat einen Beschäftigungspakt ge­schlossen. Statt Kurzarbeit fährt sie die Arbeitszeitkonten auf bis zu 150 Stunden ins Minus. In der Hoffnung, dass die Mitarbeiter diese in besseren  Zeiten wieder auffüllen. Firmenchef Walter Mennekes: „Die Talsohle scheint erreicht, unser Auftragseingang nimmt wieder leicht zu.“

Barbara Auer, Maja Becker-Mohr, Wilfried Hennes

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